„Schlimmste Szenerie“: Türkischer Ex-Präsident Gül fürchtet Eskalation im Nahen Osten

Knapp vier Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Amt als türkischer Präsident, hat sich Abdullah Gül nun erneut zu Wort gemeldet. Der einstige Staatsmann blickt sorgenvoll in seine Heimatregion. Aufgrund der aktuellen Instabilität rechnet er derzeit mit weiteren unerwarteten und „viel komplizierteren“ Gefahren.

Nach Ansicht des einstigen türkischen Präsidenten Abdullah Gül erlebe der Nahe Osten aufgrund der sich abspielenden „Stellvertreterkriege“ gerade das „schlimmste Szenerio“. Gehe es derart weiter, könnte er sich aber noch weitaus heiklere Situationen vorstellen. Und die könnten letztlich der ganzen Welt schaden.

Ich denke, als Politiker und Staatsmann, dass gerade jetzt das schlimmste Szenario stattfindet“, zitiert das Nachrichtenportal Worldbulletin Gül im Rahmen des fünften Bosporus-Gipfels in Istanbul. Der 64-jährige sprach am Mittwoch vor Teilnehmern aus 70 Ländern. Diese kamen zusammen, um die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zueinander zu diskutieren.

„Langlebige Kriege oder bewaffnete Konflikte im Nahen Osten haben in der Region ein Vakuum geschaffen, das Radikalismus und Extremismus erhöht und damit den Terrorismus befeuert. Verantwortlich für diese Situation seien seiner Meinung nach die regionalen Führer der Region und ihre „irrationale Politik“.

Der einstige elfte Präsident des Landes beschrieb die Situation der Welt als zunehmend „negativ. Im Vergleich zur Situation vor fünf Jahren habe sich alles rapide verändert, so Gül mit Blick auf regionale Konflikte in der Ukraine, in Syrien und im Irak. Entsprechend warnte Gül vor weiteren unerwarteten und „viel komplizierteren Gefahren, die sich aus der aktuellen Instabilität in der Region ergeben und letztlich der ganzen Welt schaden könnten.

Völlig duster will der Politiker die Situation am Ende aber doch nicht bewerten. Gül zufolge habe es auch deutlich positive Entwicklungen in der Region gegeben, wie die Einrichtung eines umfassenderen Regierung im Irak und der Deal zwischen Bagdad und der kurdischen Regionalregierung über den Anteil der Öleinnahmen. Ebenso sei die Anerkennung Palästinas als Staat durch europäische Nationen ein positiver Schritt bei der Befriedung der Region gewesen.

„Viele EU-Staaten stimmten für die Anerkennung Palästinas als Staat. Denn alle haben damit begonnen zu realisieren, was eine wachsende  Enttäuschung und Verzweiflung in der Region auslösen könnte. Zuletzt stimmte an diesem Donnerstag der französische Senat für Anerkennung Palästinas als Staat. Zuvor hatte das irische Parlament am Mittwochabend ebenfalls eine Resolution zur Anerkennung Palästinas verabschiedet. Als erstes westliches EU-Land hatte Schweden bereits Ende Oktober den Staat Palästina offiziell anerkannt. Auch die Parlamente Spaniens und Großbritanniens stimmten entsprechend ab.

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