Türkische Fußballfans vor Gericht: Kritiker sollen zum Schweigen gebracht werden

Wegen «versuchten Umsturzes der Regierung» müssen sich seit dieser Woche 35 türkische Fußballfans vor einem Gericht in Istanbul verantworten. Im schlimmsten Fall droht den Männern lebenslang Gefängnis. Für die Verteidigung ist klar, hier sollen Kritiker mundtot gemacht werden.

Wegen ihrer Beteiligung an regierungskritischen Protesten hat am Dienstag der Prozess gegen 35 türkische Fußballfans des Istanbuler Erstligisten Besiktas begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Mitgliedern des Fanclubs «Carsi» unter anderem vor, eine terroristische Vereinigung gegründet zu haben.

Sie  müssen sich laut Anklageschrift zudem wegen «versuchten Umsturzes der Regierung» vor Gericht verantworten. Bei Verurteilung droht ihnen lebenslange Haft. Verteidiger Nazif Korsay sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Der Prozess dient dazu, Kritiker zum Schweigen zu bringen.»

Die Anhörung im Istanbuler Gericht Caglayan hatte sich am Morgen zunächst verzögert, weil der Gerichtsraum zu klein war. Nach langen Diskussionen mit der Verteidigung wurde die Verhandlung schließlich in einen größeren Saal verlegt.

Hunderte Unterstützer von «Carsi» drängten sich vor Beginn der Verhandlung vor dem Gerichtsgebäude, schwenkten Fahnen und sangen Fan-Lieder. Sicherheitskräfte standen mit Wasserwerfen bereit. Zu Auseinandersetzungen kam es nicht.

Während der Gezi-Proteste im Sommer vergangenen Jahres spielte der Besiktas-Fanclub «Carsi» eine wichtige Rolle. Viele «Carsi»-Ultras nahmen an den Demonstrationen teil. Der Fanclub ist in der Türkei über den Fußball hinaus für sein soziales Engagement bekannt.

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