Ratingagentur Fitch: Fallender Ölpreis nimmt Druck von der Türkei

Nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch nimmt der derzeit fallende Ölpreis den großen Energieimporteuren wie der Türkei und Indien immensen Druck von außen. Die Entwicklung halte die Gesamtinflation niedrig. Sogar der Aktienmarkt könnte profitieren.

Der Ölpreis setzt derzeit seine Talfahrt fort. Die OPEC-Staaten fördern unvermindert weiter Öl. Die Folge: Die Nordseesorte Brent blieb am Mittwoch unter der 60-Dollar-Marke je Barrel. Die Folgen einer solchen Aussicht auf ein anhaltendes Überangebot kommt der Türkei zugute, so die Ratingagentur Fitch.

Niedrigere Ölpreise erhöhen den Druck auf die Bonität der Entwicklungsländer. Die Preise werden Verbrauch in den Industriestaaten ankurbeln, die Gesamtinflation niedrig halten und den Druck von außen auf die großen Energieimporteure wie die Türkei und Indien erleichtern“, zitiert die türkische Nachrichtenagentur Anadolu die Ratingagentur.

Für Brent sei der Dezember der sechste Monat mit Kursverlusten in Folge, so das Handelsblatt. Das sei der längste Preisrutsch seit mindestens drei Jahrzehnten. Seit Wochen habe man es mit den gleichen Belastungsfaktoren zu tun: „ein weltweites Überangebot bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage.“ Das Ölkartell Opec sehe aber trotz des rasanten Preisverfalls bislang allerdings keinen Anlass, die Produktion zurückzufahren. Die wichtigsten Golf-Staaten hätten zudem signalisiert, dass sie bis zu einem Jahr warten könnten, um zu sehen, ob sich der Markt stabilisiere.

Die Einschätzung von Fitch wird auch vom türkischen Finanzminister Mehmet Simsek geteilt. Dieser erklärte bereits in der vergangenen Woche in London, dass nur wenige Länder von dem Rückgang stark profitieren würden. Die Türkei sei eines von ihnen, so Finanzen.net. Insbesondere werde die Verbilligung des Öls die Importrechnung der Türkei senken und damit das hohe Defizit im Außenhandel, heißt es weiter. Simsek zufolge könnte das Leistungsbilanzdefizit nächstes Jahr auf vier Prozent der Wirtschaftsleistung schrumpfen – nach einem Wert von zehn Prozent im Jahr 2011. „Ein Rückgang des Ölpreises um zehn Dollar je Barrel senke das türkische Defizit um 4,5 bis fünf Milliarden Dollar und drücke die Inflationsrate um 0,4 Prozentpunkte“, so das Blatt.

Laut Einschätzung von Sevda Sarp, Türkei-Spezialistin der Erste Asset Management, könnte der Preisverfall auch den türkischen Aktienmarkt im kommenden Jahr beflügeln. Sie ist überzeugt, „dass der türkische Markt von einer Senkung des Zinsniveaus von aktuell 8,25 profitiert – und Voraussetzung dafür ist, dass die Inflation mithilfe eines sinkenden Ölpreises nachlässt. Davon profitieren dürften insbesondere Banken“, so das Fachportal Fondsprofessionell.

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