Zweifel am dritten Istanbuler Flughafen: Sind die Dimensionen viel zu groß?

Bereits im Jahr 2018 soll der neue türkische Mega-Airport seine Pforten öffnen. Doch nun werden Zweifel am dritten Flughafen von Istanbul laut. Ein ausgestochener Bewerber der Ausschreibung kritisiert: Der Bau hätte auch deutlich kleiner ausfallen können.

Der Vorsitzende des türkischen Flughafenbetreibers TAV und der Akfen-Holding, Hamdi Akin, zweifelt an der richtigen Dimensionierung des im Bau befindlichen dritten Flughafens von Istanbul. Seiner Ansicht nach hätte der Komplex zunächst viel kleiner ausfallen und stattdessen später nach und nach vergrößert werden können.

„Hätte ich die Ausschreibung für den Bau des dritten Flughafens gewonnen, hätte ich ihn kleiner geplant mit der Möglichkeit, ihn später nach und nach zu vergrößern“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet.

Der türkische Flughafenbetreiber TAV gehörte zu den Unternehmen, die sich an der Ausschreibung für den dritten Airport beteiligt hatten. Für den hiesigen Atatürk Flughafen hat das Unternehmen die Betreiberlizenz noch bis 2021 inne. Mit dem Atatürk Flughafen fährt TAV im Augenblick 40 Prozent seines Umsatzes ein. Den Zuschlag für den dritten Airport erhielt schließlich das Limak Konsortium (mehr hier). Die darin vereinigte Cengiz Holding, Kolin Holding, Limak Holding, Mapa Holding und die Kalyon Holding haben ab 2017 das Recht, den geplanten Flughafen für 25 Jahre zu betreiben. Es werden 150 Millionen Passagiere pro Jahr erwartet. Das Auftragsvolumen umfasst 22,1 Milliarden Euro (mehr hier).

„Der dritte Flughafen hätte in der Anfangsphase ruhig kleiner geplant werden können. (…) Zunächst hätte ein Terminal errichtet werden können, anstatt vier oder mehr. Später hätte man weitere Terminals je nach Bedarf bauen können. Eben so, wie es bei anderen Flughäfen auf der ganzen Welt der Fall ist“, so Akin weiter.

Seiner Ansicht nach beschädige das Vorhaben auch den Wettbewerb. An der Ausschreibung selbst hätten nur wenige Unternehmen Interesse gehabt (mehr hier). Schließlich habe der Einstieg bei rund zehn Milliarden Euro gelegen. So viel Geld aufzutreiben, sei für ein Unternehmen nicht einfach. 20 Prozent davon hätten aus Eigenkapital stammen müssen. Die Bildung von Konsortien sei daher unausweichlich gewesen. Doch genau solche seien nun anfälliger für potentielle Managementlücken.

Probleme bereitete der Airport aber nicht nur im Rahmen der Ausschreibung. Der neue Flughafen soll aus sechs Landebahnen, 16 Rollbahnen, 165 Fluggastbrücken und einem 6,5 Millionen Quadratmeter großen Flugfeld mit einer Parkplatz-Kapazität für 500 Flugzeuge bestehen. 100.000 neue Arbeitsplätze soll das Großprojekt schaffen.

Der Airport soll auf der europäischen Seite der Stadt, zwischen Yeniköy und Akpinar, in der Nähe des Sees Terkos entstehen. Dort plant das Ministerium für Umwelt- und Stadtplanung zudem die so genannte „İstanbul Metropolitan“, eine Satellitenstadt mit gut 1,5 Millionen Einwohnern.

Umweltschützer und Anwohner sehen das Projekt ebenfalls kritisch. In einem Bericht der Umweltverträglichkeitsprüfung (ÇED) heißt es, dass sich derzeit 2.513,341 Bäume auf den Baugelände des dritten Istanbuler Flughafens befinden. 657.950 werden abgeholzt. Die restlichen 1.855,391 müssen umgepflanzt werden. Ein Gericht hat das Bauvorhaben erst im Februar 2014 wegen Umweltbedenken gestoppt (mehr hier).

Die Dimensionen werden auch in Deutschland kritisch beäugt. Wenn auch aus rein ökonomischer Perspektive. So zeigte sich Peter Schmitz, Vorstandsmitglied bei Fraport und dort zuständig für den Bereich Operationen, im November 2013 vom Plan des Baus eines dritten Flughafens Istanbul beunruhigt. „Frankfurt ist eines der wichtigsten Zentren für den Flugverkehr in Europa (…) Ein dritter Flughafen in Istanbul wäre für uns in dieser Hinsicht ein Konkurrent, da Istanbul dann ein wichtiger Hub für Flüge in Richtung Osten würde.“ Durch die zu erwartenden Transfers in Richtung Osten würde die wirtschaftliche Bedeutung dorthin verlagert werden, so Schmitz weiter. Istanbul werde zu einem natürlichen Umschlagplatz werden. Das werde auch durch die aggressiven Wachstumspläne von Turkish Airlines unterstützt.

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