Spionagevorwurf: Bundesanwaltschaft schnappt drei türkische Staatsbürger

Die Bundesanwaltschaft hat drei mutmaßliche türkische Spione festnehmen lassen. Die Männer im Alter zwischen 33 und 58 Jahren sollen für einen türkischen Geheimdienst gearbeitet haben, wie die Behörde in Karlsruhe mitteilte. Einer von ihnen soll die beiden anderen angeleitet haben, Informationen über in Deutschland lebende Landsleute und hiesige Organisationsstrukturen zu sammeln und an ihn weiterzugeben.

Ein 58-Jähriger und ein 33-Jähriger wurden bereits am vergangenen Mittwoch am Frankfurter Flughafen von Beamten des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz festgenommen. Der dritte Verdächtige, ein ebenfalls 58-Jähriger, wurde an seinem Wohnort in Nordrhein-Westfalen gefasst. Die Männer sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft.

Alle drei Männer besitzen nach Auskunft der Bundesanwaltschaft die türkische Staatsangehörigkeit. Gegen das Trio lagen Haftbefehle des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 11. November 2014 vor. Gegen sie bestehe der dringende Verdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit (§ 99 Abs. 1 Nr. 1 StGB). Hierzu heißt es:

„Die Beschuldigten sind dringend verdächtig, für einen türkischen Nachrichtendienst gearbeitet zu haben. Der Beschuldigte Muhammed Taha G. soll die Beschuldigten Ahmet Duran Y. und Göksel G. bei ihrer nachrichtendienstlichen Tätigkeit angeleitet haben. In seinem Auftrag sollen die Beschuldigten Ahmet Duran Y. und Göksel G. Informationen über in der Bundesrepublik Deutschland lebende Landsleute und hiesige Organisationsstrukturen gesammelt und an diesen weitergegeben haben. “

Unter der Leitung des Generalbundesanwalts würden nun die weiteren kriminalpolizeilichen Ermittlungen durch das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz geführt.

Wie die türkische Zeitung Hürriyet unterdessen berichtet, habe Ankara eine Verbindung des Trios zum hiesigen Geheimdienst MİT oder zum Ministerpräsidenten bestritten. Das sei dem Blatt aus anonymer Quelle mitgeteilt worden. Vielmehr sei darauf hingewiesen worden, dass die Verhaftungen zu einem verdächtigen Zeitpunkt stattgefunden hätten. Erst kurz zuvor sollen der Terrororganisation PKK nahestehende Medien behauptet haben, dass die türkische Agentur für Zusammenarbeit und Entwicklung (TIKA) vom MİT genutzt werde, um Agenten in Deutschland zu rekrutieren. Einen Zusammenhang will die anonyme Quelle auch zu den jüngsten EU-kritischen Äußerungen des türkischen Präsidenten Erdoğan sehen (mehr hier). Bei einer landesweiten Razzia hatten Sicherheitskräfte am Sonntag mindestens 24 Journalisten und angebliche Regierungsgegner festgenommen. Darunter waren der Chefredakteur der Zeitung «Zaman» und der Chef des Medienkonzerns Samanyolu. Die betroffenen Medien stehen dem mit Erdoğan verfeindeten Prediger Fethullah Gülen nahe.

Mehr zum Thema:

Wie die NSA: Bundesnachrichtendienst spioniert türkische Politiker aus
Amerikanische Moral: Merkel entschuldigt sich nicht für Türkei-Spionage
Türkische Gemeinde in Deutschland: Vorgehen des BND diffamierend

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.