Anti-Islam-Bewegung: «Pegida» ist Anzeichen für Auseinanderdriften von Ost und West

In Kassel trieb die Anti-Islambewegung keine 100 Menschen auf die Straße. In Dresden waren es gleich mehrere Tausend. Ein Bielefelder Forscher ist sich sicher: Die Zustimmung sei besonders stark bei Menschen, die Angst hätten, etwas zu verlieren. Die Bewegung zeigt - Ost und West driften auseinander.

Der Bielefelder Sozialpsychologe Andreas Zick sieht die Anti-Islam-Bewegung «Pegida» als Anzeichen für ein stärkeres Auseinanderdriften der alten und neuen Bundesländer. So sei zu erklären, warum in der vergangenen Woche rund 15 000 Anhänger in Dresden protestierten, in Kassel dagegen keine 100, sagte der Professor der Deutschen Presse-Agentur. Zick ist Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld, das vor allem das Zusammenwachsen Deutschlands nach der Wiedervereinigung in Langzeitstudien untersucht hat.

Die Zustimmung sei besonders stark bei Menschen, die Angst hätten, etwas zu verlieren. «Die eigene Abstiegsangst macht einem Probleme, also redet man lieber über die Überfremdungsangst durch Andere. Das ist ein psychologischer Mechanismus.» Dieser sei im Osten stärker verbreitet als im Westen, «weil die Leute tatsächlich etwas verloren haben, nach der Wende.»

Die Menschen dort hätten einen drastischen gesellschaftlichen Wandel hautnah erlebt, sagte Zick. Die DDR selbst habe sich nie als multikulturell verstanden. Im Westen dagegen habe man dieses Selbstverständnis langsam und mühsam entwickelt. «Und gegen diese Idee, dass eine vielfältige Gesellschaft zu uns gehört, wendet sich die Bewegung ja am allermeisten.»

In Dresden haben 8,2 Prozent der Bewohner einen Migrationshintergrund, in Kassel sind es laut Statistik 35,1 Prozent. Die Menschen in Ostdeutschland könnten deshalb weniger eigene Erfahrungen mit Ausländern oder Menschen mit Migrationshintergrund machen, sagte Zick. So sei es möglich, den Islam trotz seiner vielfältigen Ausprägungen zu verallgemeinern.

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