Überraschung in Rom: Türkischer Papst-Attentäter am Grab von Johannes Paul II.

Vor mehr als 30 Jahren schoss er mehrmals auf Papst Johannes Paul II. und verletzte ihn dabei lebensgefährlich. Jetzt überrascht der Attentäter mit einem Besuch am Tatort - und nimmt dafür sogar Polizeigewahrsam in Kauf.

Der Papst-Attentäter Ali Ağca hat überraschend das Grab von Johannes Paul II. besucht. Der frühere türkische Extremist legte am Samstag in der Gruft unter dem Petersdom Rosen ab – auf den Tag genau 31 Jahre, nachdem ihm der Papst offiziell verziehen hatte.

Die Geste sei ihm ein Bedürfnis gewesen, sagte Ali Ağca der Nachrichtenagentur ADN Kronos. Weil er mit ungültigen Papieren eingereist sei, werde er bis Montag in Polizeigewahrsam in Rom gehalten und dann ausgewiesen, berichtete die Agentur.

Der 56-Jährige hatte im Mai 1981 während einer Audienz auf dem Petersplatz auf Johannes Paul II. geschossen und diesen lebensgefährlich verletzt. Der Papst aus Polen hatte den Täter am 27. Dezember 1983 im Gefängnis in Rom besucht und ihm verziehen.

Ağca sei sehr kurz in der Basilika gewesen, sagte der Vizedirektor des Pressebüros des Vatikans, Ciro Benedettini. Medien berichteten, Ağca habe – wie schon beim Besuch des jetzigen Papstes Franziskus Ende November in der Türkei – ein Treffen mit dem Pontifex verlangt. Das habe ihm der Vatikan aber verwehrt.

Der Attentäter wurde gleich nach der Tat in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt. 19 Jahre saß er davon ab, bis ihn der damalige italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi auf Bitten des Papstes amnestierte und an die Türkei ausliefern ließ. Später saß er in seiner Heimat wegen einer anderen Tat im Gefängnis. Erst seit Januar 2010 ist er auf freiem Fuß.

Die Hintergründe des Attentats sind bis heute ungeklärt. Ali Ağca, der zum Umfeld der rechtsextremen türkischen Grauen Wölfe gehörte, hatte dazu widersprüchliche Angaben dazu gemacht. Eine These ist, dass Ağca von bulgarischen und sowjetischen Geheimdiensten angeheuert wurde, den Papst zu töten, der ein einflussreicher Gegner des kommunistischen Regimes war.

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