Unruhen in der Türkei: Zusammenstöße zwischen Kurden fordern fünftes Todesopfer

Die Unruhen von Cizre Ende Dezember 2014 haben nun ein fünftes Todesopfer gefordert. Ein 32-Jähriger, der vor einer Woche bei den Zusammenstößen verletzt wurde, erlag am Sonntag seinen Verletzungen. Die Ärzte konnten trotz zahlreicher Operationen nichts mehr für ihn tun. Erst am Sonntag wurde ein Junge aus Silopi zu Grabe getragen.

Zeki A. war nach den Zusammenstößen ins Diyarbakir Dicle Universitätskrankenhaus gebracht worden. Wie die türkischen Gesundheitsbehörden nun mitteilten, erlag er nun seinen Verletzungen. Bereits vor einer Woche verstarben der 19-jährige Yasin O., der erst 15-jährige Baris D. und der 65-jährige Abdullah D. Drei weitere wurden verletzt. Am vergangenen Wochenende erschoss die Polizei einen Jungen, der die Proteste beobachtete.

Wie das Nachrichtenportal Worldbulletin berichtet, habe der 32-jährige bei den Unruhen zwischen rivalisierenden kurdischen Gruppen massive Verletzungen erlitten und musste mehrfach operiert werden.

Anhänger einer der Terrororganisation PKK nahestehenden Jugendorganisation und kurdische Islamisten waren in der Nacht zum 27. Dezember in der  südosttürkischen Stadt Cizre aneinandergeraten. Der Streit endete in einer Schießerei (mehr hier).

Die Spannungen zwischen den rivalisierenden kurdischen Gruppen waren zuletzt Anfang Oktober eskaliert. PKK-Anhänger demonstrierten damals für den Schutz der kurdisch-syrischen Stadt Kobane. Sie warfen der Türkei vor, dem drohenden Fall Kobanes an die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) tatenlos zuzusehen. Mehr als 40 Menschen kamen nach Angaben von Menschenrechtlern bei den Zusammenstößen im Oktober ums Leben.

Premier Ahmet Davutoğlu bezeichnete die Zusammenstöße zwei Tage später als „Provokationen, die sich nicht nur gegen den Staat richten, sondern auch darauf abzielen, Unruhe zwischen verschiedenen politischen Gruppen zu schüren“, so die türkische Zeitung Hürriyet. Er mahnte die Bürger an, Ruhe zu bewahren und kündigte an: „Wir werden diejenigen, die die Auseinandersetzungen und Unruhen außerhalb der Türkei in unser Land bringen wollen, vor allem in den Grenzprovinzen, nicht dulden.“

Erst am vergangenen Sonntag nahmen Zehntausende Menschen am Begräbnis eines Jungen teil, der am Tag zuvor im südöstlichen Silopi von der Polizei erschossen wurde, als er Proteste infolge der Auseinandersetzungen von Cizre von seinem Balkon aus verfolgte. Musa A. war damit das vierte Todesopfer infolge der Spannungen zwischen der YDG-H und der Hüda-Par, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Insgesamt forderte der jahrzehntelange Konflikt mit der PKK bereits mehr als 40.000 Menschenleben. In der Türkei, in den USA und in der EU wird die PKK als terroristische Organisation eingestuft.

Mehr zum Thema:

Drei Tote bei Zusammenstößen zwischen Kurden im Südosten der Türkei
PKK in Angst: Kehrt die kurdische „Hisbollah“ zurück?
30 Jahre Unruhen: Terrorismus kostet die Türkei 300 Milliarden Dollar

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.