Viel TV, wenig Sport: So ticken die türkischen Bürger

Ins Theater oder Ballett gehen sie äußerst ungern. Auch ein Urlaub im Ausland steht für die meisten offenbar nicht zur Debatte. Eine großangelegte Umfrage im gesamten Land hat die bevorzugten Aktivitäten und Einstellungen der Türken zutage gebracht. Es zeigt sich: Die Mehrheit ist offenbar extrem konservativ. Das einzig Wahre scheint das TV-Programm zu sein.

Eine aktuelle Umfrage über den Lebensstil und die Einstellung der türkischen Bürger hat einige interessante Ergebnisse zutage gefördert. So gab etwa eine überwältigende Mehrheit von 84 Prozent an, dass der TV-Gerät ihr liebster Zeitvertreib wäre. Körperliche Aktivitäten gehören hingegen nicht zu den bevorzugten Freizeitbeschäftigungen vieler Türken. Fast die Hälfte der Befragten gab zu, dass sie nie Sport treiben oder einfach nur zu Fuß gehen würden. Auch Kultur steht offenbar nicht hoch im Kurs. So haben 96 Prozent noch nie eine Oper oder ein Ballett gesehen.

Durchgeführt wurde die aktuelle Umfrage vom Ipsos KMG Forschungs- und Beratungsunternehmen. Befragt wurden für den umfassenden Einblick in die türkische Lebensweise insgesamt rund 16.000 Menschen im gesamten Land. 49,2 Prozent der Befragten waren männlich, weiblich waren 50,8 Prozent. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse nun in der türkischen Zeitung Posta.

Insgesamt erscheinen die bevorzugten Aktivitäten nach der Arbeit eher eingeschränkt zu sein. So geben zum Beispiel ganze 24 Prozent der Umfrageteilnehmer an, nie Musik zu hören. 29 Prozent können nicht einmal mit dem Radio etwas anfangen. 28 Prozent geben sogar zu, noch niemals Zeitung gelesen zu haben. Noch höher fällt mit 45 Prozent die Zahl derer aus, die nicht zum Buch greifen möchten. Ein Resultat, das durch frühere Erhebungen manifestiert wird (mehr hier).

80 Prozent gehen zudem nie ins Theater, 73 Prozent nie in ein Konzert (mehr hier) und immerhin noch 56 Prozent nicht ins Kino. 68 Prozent wollen auch das Internet nicht nutzen. Ein Ergebnis, das angesichts der hohen Medienaffinität der jungen, türkischen Bevölkerung jedocch nicht schlüssig zu sein scheint (mehr hier). Gleichzeitig sind jedoch auch 60 bzw. 61 Prozent davon überzeugt, dass Medienzensur stattfinde und auch Internetseiten geschlossen würden.

Was das gedruckte Wort oder kulturelle Einrichtungen anscheinend nicht zu leisten vermögen, übernimmt bei der türkischen Bevölkerung offenbar das Fernsehen. 84 Prozent sehen darin ihren liebsten Zeitvertreib. Immerhin 65 Prozent sehen sich hier auch die Nachrichten an. 62 Prozent bevorzugen hingegen heimische TV-Serien (bei Frauen allein liegt der Anteil hier bei 77 Prozent), 41 Prozent mögen lieber entsprechende Gameshows. 40 Prozent schauen allerdings alles, was ihnen vor die Nase kommt.

Wenig begeistern können sich die Befragten für ein Familienessen auswärts. Ganze 38 Prozent gaben an, das nie zu tun. 39 Prozent besuchen auch ihre Freunde und Verwandten weniger als zwei Mal pro Woche. Auch der Urlaub scheint nicht besonders hoch im Kurs zu stehen. 94 Prozent sagten, dass sie nie außerhalb der Türkei verreisen. 45 Prozent tun das noch nicht einmal im eigenen Land.

In Sachen Glauben und Verteilung der Geschlechterrollen gibt es ebenfalls klare Ansagen. 71 Prozent gaben an, alle religiösen Pflichten zu erfüllen. 60 Prozent der Frauen tragen außerhalb des Hauses ein Kopftuch. Auch für 46 Prozent der Männer war das ein wichtiger Aspekt. 69 Prozent von ihnen glauben zudem, dass es eine Sache der Männer wäre, den Frauen eine Tätigkeit zu erlauben, was übrigens auch 57 Prozent der befragten Frauen so sahen. 20 Prozent der Männer geben sogar zu, dass Frauen, wenn nötig, geschlagen werden sollten, was auch 18 Prozent der Frauen bejahten. Bestätigt wurden diese Sichtweisen ebenfalls von früheren Untersuchungen (mehr hier und hier).

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