Sechs Jahre nach Erdoğans Abgang: Türkischer Premier Davutoğlu kommt nach Davos

Sechs Jahre nach dem dramatischen Abgang des damaligen türkischen Premiers Erdoğan, wird die Türkei beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos nun wieder auf höchster Ebene vertreten. Premier Ahmet Davutoğlu hat entschieden, Ende Januar in der Schweiz dabei zu sein. Ein deutliches Signal gen Westen.

Knapp vier Monate nach seinem Amtsantritt versucht Premier Davutoğlu offenbar die internationalen Beziehungen wieder intensiver zu pflegen. Nach Jahren der Bitten in Richtung Türkei, dem Weltwirtschaftsforum in Davos endlich wieder auf höchster politischer Ebene beizuwohnen, reicht er den Organisatoren nun die Hand.

Der neue türkische Premier werde nach Informationen seines Ministeriums am 45. Jahrestreffen des WEF im Schweizer Skiort am 23. und 24. Januar teilnehmen, berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Das WEF selbst beginnt bereits am 21. Zuvor sei noch eine offizielle Visite in Deutschland am 11. und 12. Januar sowie ein Besuch in Großbritannien vom 19. bis 21. Januar geplant.

Das WEF kann sich eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr an einer Rekordbeteiligung erfreuen. Anwesend sein werden mehr als 2500 Repräsentanten aus über 140 Staaten, darunter auch über 300 Staats- und Regierungsschefs sowie Regierungsmitglieder. In diesem Jahr steht die Zusammenkunft unter dem Motto “The New Global Context” und damit ganz im Zeichen des laufenden politischen, wirtschaftlichen, sozialen und technologischen Wandels. Im Jahr zuvor wählten die Organisatoren mit “Neugestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft” bereits ein ähnliches Motto.

Zur Erinnerung: Nach einem Streit mit dem israelischen Präsidenten Shimon Peres erklärte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan 2009, dass das Weltwirtschaftsforum in Davos für ihn ein für allemal erledigt sei. Während einer Podiumsveranstaltung über den Gazastreifen, an der auch Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon und der Generalsekretär der arabischen Liga, Amr Mussa teilnahmen, gerieten die beiden Männer aneinander. Erdoğan warf Peres vor, dass Israel im Gazastreifen Mord begangen hätte.

Wutentbrannt verließ der türkische Premier nach der Veranstaltung den Saal. Später erklärte Erdoğan, sein Hinausstürmen sei eine Reaktion auf die Modeartion des “Washington Post” Kolumnisten David Ignatius, gewesen. Er hätte von diesem zu wenig Gesprächszeit bekommen: “Ich zielte überhaupt nicht in irgendeiner Weise auf Israel, das israelische Volk oder den israelischen Präsidenten Peres.”

2010 nahm die Türkei darauf hin nicht am Weltwirtschaftsforum in Davos teil. Im Jahr darauf wurde das Land von Staatsminister Ali Babacan repräsentiert. Auch vom 25. bis 29. Januar 2012 war er anwesend. Mit ihm erstmals auf diesem Parkett befand sich die türkische Familienministerin Şahin. Sie war die erste Politikerin aus der Türkei beim Weltwirtschaftsforum (mehr hier). Das Duo war auch 2013 mit dabei. Anfang 2014 startete der Europaleiter des Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos, Nicholas Davis, einen weiteren vergeblichen Versuch, den Premier in die Schweiz zu holen. Begründet wurde die Einladung der Türkei zum Treffen 2014 mit einer stabilen türkischen Wirtschaft und einer starken Infrastruktur, so das Nachrichtenagentur Anadolu. Das Wachstum des Landes läge über dem vieler anderer europäischer Staaten (mehr hier).  Erneuet trat dann aber Babacan in der Schweiz auf.

Bereits im Juni 2012 wagte Stephen Kinnock, Direktor und Leiter des Weltwirtschaftsforums Europa und Zentralasien, noch zu hoffen, dass die Türkei künftig wieder von höchster Ebene auf dem jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos repräsentiert werde. Sein Appell, so die Interpretation der türkische Medien zu jener Zeit, richtete sich direkt an Recep Tayyip Erdoğan. “Die Fortsetzung unserer Beziehungen mit der Türkei sind von größter Bedeutung für uns. Es wäre schön, die Türkei wieder von höchster Ebene vertreten zu sehen”, zitierte ihn damals die türkische Nachrichtenagentur Anatolia. Der Direktor und Leiter des Weltwirtschaftsforums Europa und Zentralasien hatte sich anlässlich des Regionalgipfels des Weltwirtschaftsforums zum Nahosten, Nordafrika und Eurasien vom 4. bis 6. Juni 2012 in Istanbul aufgehalten.

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