Zu hohes Sicherheitsrisiko: Turkish Airlines streicht alle Flüge nach Libyen

Als letzte ausländische Fluggesellschaft hat nun auch Turkish Airlines (THY) all ihre Flüge nach Libyen abgesagt. Das Unternehmen schätzt das Sicherheitsrisiko in dem nordafrikanischen Land mittlerweile als zu hoch ein. Drei Jahre nach dem Sturz von Muammar Gaddafi tobt im Land ein Machtkampf zwischen rivalisierenden Fraktionen der ehemaligen Rebellen.

Die halbstaatliche türkische Fluggesellschaft zieht sich nun als letzte ausländische Fluggesellschaft vollständig aus dem Krisengebiet zurück. Bereits am Montag wurden alle Flüge nach Misrata ausgesetzt.

Am Dienstag kündigte das Unternehmen an, auch Benghazi, Tripolis oder Sebha nicht mehr anzufliegen, so Al Arabiya News. Nun ist das Land auf dem Luftweg nur noch über die eigene staatliche Fluglinie Afrikija mit dem Ausland verbunden.

Drei Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi ist Libyen zerrissen von einem Bürgerkrieg. Es tobt ein heftiger Machtkampf zwischen zwei rivalisierenden Fraktionen bestehend aus ehemaligen Rebellen und verschiedenen Milizen. Diese haben konkurrierende Regierungen installiert und beanspruchen nun beide die Legitimation und Kontrolle über die riesigen Ölvorkommen des Landes. Das Land steht mittlerweile kurz vor einer Spaltung.

Erst am Montag waren bei einem Luftangriff auf einen griechischen Öltanker im Hafen der ost-libyschen Stadt Derna zwei Besatzungsmitglieder getötet worden. Zwei Seeleute wurden nach Angaben der griechischen Küstenwache verletzt. An Bord des Tankers Araevo befanden sich neben 26 Besatzungsmitgliedern auch 12.600 Tonnen Rohöl.

Am Wochenende zuvor kam es zu heftigen Kämpfen zwischen den Truppen der beiden rivalisierenden Regierungen. Derna gilt als Hochburg islamistischer Milizen in Libyen.

Wie die Presse berichtet, habe der französische Präsident Hollande die internationale Gemeinschaft bereits am Montag aufgefordert, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Gleichzeitig schloss er im Gespräch mit dem Radiosender France Inter. einen Alleingang Frankreichs in Libyen aus. Zuvor hatten sich mehrere Länder der Region, darunter der Niger und der Tschad,  für eine Militärintervention in Libyen ausgesprochen.

Die freundschaftlichen Verbindungen zwischen der Türkei und Libyen reichen bereits in die 70er Jahre zur Zeit der Besetzung Nordzyperns zurück. Kurz vor dem Aufkommen der Unruhen in Libyen betrug das bilaterale Handelsvolumen zugunsten der Türkei 2,4 Milliarden Dollar. Beide Länder verzichteten zugunsten des Handels auch auf Reisevisa (mehr hier).

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