Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD): Rechtspopulisten dürfen Pariser Attentat nicht instrumentalisieren

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) hat den tödlichen Anschlag auf das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» auf das Schärfste verurteilt. Die Interessenvertretung türkischstämmiger Deutscher und in Deutschland lebender Türken warnt vor einer Instrumentalisierung der Ereignisse. Rechtspopulisten und Rassisten dürften ihre Hetze damit nicht begründen.

Die TGD bezeichnet den terroristischen Überfall zweier Männer auf die Redaktion des Pariser Satiremagazins «Charlie Hebdo» mit mindestens zwölf Toten als eine  «äußerst abscheuliche Tat». Terror im Namen einer Religion sei nicht hinnehmbar. Die Täter waren am Dienstagnachmittag in die Redaktionsräume eingedrungen und schossen um sich.

«Verbrecher, die ihre brutalen Morde und Angriffe mit einer Religion begründen, sind genauso Mörder wie alle anders motivierten Verbrecher», heißt es in einer den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegenden Mitteilung der TGD. Man dürfe es nicht zulassen, dass Rechtspopulisten und Rassisten diese entsetzliche Tat instrumentalisierten, um damit ihre Hetze gegen friedliche Bürger*innen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Identitäten in Deutschland zu begründen.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland stellt klar heraus: «Terror und Gewalttaten im Namen einer Religion als auch Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sind nicht hinnehmbar! Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Ermordeten und der Verletzten.» Ähnlich äußerte sich auch der Rat der Muslime (Conseil français du culte musulman CFCM). Er verurteilte den Terroranschlag von Paris als «barbarisch» und bezeichnete die Tat als einen «Angriff auf die Demokratie und die Pressefreiheit», so die Organisation in einer Erklärung «im Namen der Muslime in Frankreich».

Bestürzt meldete sich kurz nach dem Attentat auch Lamya Kaddor via Facebook zu Wort. Die bekannte deutsche muslimische Religionspädagogin, Islamwissenschaftlerin und Autorin sagte:

«Mir fehlen die Worte! Auch wir Muslime empfinden das als Angriff auf unsere Presse- und Meinungsfreiheit!»

Der Journalist und Autor Eren Güvercin nutzte das Soziale Netzwerk ebenfalls für ein Statement. Er schreibt:

«Zwei Wahnsinnige verüben einen Anschlag in Paris, zur ‚Verteidigung des Propheten‘. An Perversität nicht zu überbieten. Auch wenn man im ersten Moment sprachlos ist, ist es auch wichtig sich klar zu machen, was dies für Auswirkungen hat.
Manchmal kann man in der Tat die Ängste bei einigen Mitbürgern verstehen, erst recht wenn sie in ihrem Alltag keine Begegnung mit Muslimen haben, aus welchen Gründen auch immer.
Und es geht nicht um eine bloße Distanzierung, sondern eine innermuslimische und tiefer gehende Auseinandersetzung mit den Ideologien, die hinter solchen Taten stecken. Der modernistische Islam, mit seiner Aushöhlung des Islamischen Rechts und seiner Feindschaft gegen den traditionellen Islam sind einer der zentralen Gründe, dass solche Leute fähig sind solche Taten auszuüben.
Einmal die vermeintliche Brüderlichkeit beiseite lassen und die verheerenden Auswirkungen des modernistischen Islam in den letzten 200 Jahren rekapitulieren und sich von einem gewissen Gedankengut reinigen. Nicht immer mit dem Finger auf die Anderen zeigen, sondern auch mal innermuslimisch die Gründe suchen, warum es so ist, wie es ist.
»

Zum heutigen Terroranschlag erklärt die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Hagen/ Ennepe-Ruhr I und  Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Cemile Giousouf:

„Als Politikerin und Muslimin verurteile ich diesen Terrorakt auf das Schärfste. Angesichts der Brutalität des Anschlags mit 12 Toten und mehreren Verletzten gilt unser Mitgefühl den Opfern und deren Familien. Diese abscheuliche Gräueltat ist das Werk von fanatischen Terroristen, die den Islam als Legitimationsgrundlage für ihre widerwärtigen Taten missbrauchen. Ihre krankhafte Ideologie steht in absolutem Widerspruch zum islamischen Glauben. Der Hass und Fanatismus des islamistischen Terrorismus ist mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Die Taten sind durch nichts zu rechtfertigen und ein Anschlag auf die Meinungs- und Pressefreiheit in Frankreich und ganz Europa. In Europa leben wir respektvoll miteinander. Wir verteidigen unsere gemeinsamen demokratischen Grundsätze und werden uns von Fanatikern nicht auseinanderdividieren lassen. Wir stehen in diesen schweren Stunden an der Seite unserer französischen Freunde.“

Bei dem Anschlag auf das religionskritische französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» in Paris sind am Mittwoch mindestens zwölf Menschen getötet worden. Die beiden Täter schossen unter anderem mit einer Kalaschnikow in den Redaktionsräumen um sich. Die Terroristen sollen dabei mehrfach «Allah ist groß» und «Wir haben den Propheten gerächt» gerufen haben.

Angesichts des «Terroraktes» rief der französische Präsident François Hollande die Nation zur Einheit auf. Diese «Barbarei» sei ein «Schock für Frankreich», sagte der Sozialist.

Erst an diesem Mittwoch war die aktuelle Ausgabe des Wochenmagazins erschienen. Auf dem Titelbild ist der Schriftsteller Michel Houellebecq, der derzeit mit dem Roman «Soumission» (Unterwerfung) über Frankreich unter einem islamischen Präsidenten für Furore sorgt.

«Charlie Hebdo» war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in die Kritik geraten. Bereits im November 2011 waren nach der Veröffentlichung einer «Scharia»-Sonderausgabe mit einem «Chefredakteur Mohammed» die Redaktionsräume in Flammen aufgegangen. Die Internetseite war zudem mehrfach von Hackern angegriffen worden.

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