Erdoğan zu Morden von Paris: Terrorismus ist nicht religiös oder national

Einen Tag nach dem Terroranschlag von Paris hat sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu Wort gemeldet. Er verurteilte die Tat, warnte aber zugleich vor Intoleranz. Genau jene würde Spannungen erst den Weg ebnen.

Nach zahlreichen muslimischen Verbänden in Deutschland und Frankreich hat sich nun auch der türkische Präsident zu den Morden von Paris am Mittwochnachmittag geäußert. Er warnt in einer Mitteilung: Terrorismus könne weder religiös oder national sein. Er sei durch nichts gerechtfertigt.

Erdoğan bezeichnete die Ereignisse vom 7. Januar als „abscheulichen Terroranschlag“. „Unsere Anteilnahme richtet sich an unseren Freund und Verbündeten Frankreich. Wir erwarten, dass die Täter so bald wie möglich vor Gericht gestellt werden“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Den Angehörigen sprach er sein Beileid aus.

In seiner Erklärung stellte der Präsident zudem heraus, dass die Türkei weiterhin entschlossen jede Art von Terrorismus bekämpfen werde. Während einige Regierungsbeamte in ihren Erklärungen den Kampf gegen die Islamfeindlichkeit in den Vordergrund stellten, wählte Erdoğan jedoch einen etwas anderen Ansatz. Seiner Ansicht nach hätten Intoleranz gegenüber Andersartigkeit und Hassreden Spannungen den Weg geebnet. Erdoğan erklärt:

Bei dieser Gelegenheit möchten wir betonen, dass der Terrorismus keine Religion oder Nationalität hat und es keine Entschuldigung für ihn geben wird. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir eine gemeinsame Haltung gegen Terroranschläge wie die in Paris einnehmen. Wir müssen einen festen Stand gegen Hassreden, Intoleranz, Unterschiede und Versuche, religiöse und kulturelle Unterschiede als Grundlage für Feindschaft zu präsentieren, haben.“

Erst am vergangenen Dienstag hatte sich das türkische Staatsoberhaupt in diese Richtung geäußert und eine zunehmende Fremden- und Islamfeindlichkeit in Europa kritisiert (mehr hier).

Am Donnerstag äußerste sich auch die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein zur Tat von Paris. Sie verurteilte in einer Mitteilung, die den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegt, den tödlichen Anschlag auf die Redaktion des Pariser Satiremagazins „Charlie Hebdo“ auf das Schärfste. Weiterhin stellte sie ebenfalls heraus:

„Ein derartiges Verbrechen kann durch keine Weltanschauung oder Religion gerechtfertigt werden und ist unvereinbar mit allen Werten, die eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft ausmachen. Während Europa und die Welt nun nach Paris schauen, dürfen wir es jedoch nicht zulassen, dass andere radikale Gruppen diese schreckliche Tat instrumentalisieren, um damit ihre Hetze gegen friedliche BürgerInnen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Identitäten in Deutschland zu begründen.“

Das Gebot der Stunde sei Mitgefühl und Nächstenliebe, nicht Hass und Spaltung, so Dr. Cebel Küçükkaraca, Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein.

Josip Juratovic, Integrationsbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion zeigte sich in Anbetracht von so viel niederer Gewalt gegen unschuldige Menschen sowie die Presse- und Meinungsfreiheit „erschüttert und fassungslos“. Für ihn ist klar:

„Die Täter erwarten eine dumpfe Antwort. Doch wir dürfen uns nicht dazu verleiten lassen. In dieser schrecklichen Situation brauchen wir kein neues Feindbild, keine Radikalisierung – sondern eine besondere Form der gesellschaftlichen Selbstsicherheit und Besonnenheit.“

Juratovic zufolge müssten terroristische Bewegungen spüren, dass sie in der Bevölkerung nicht die geringste Unterstützung fänden. Nur wenn man unabhängig von Herkunft und Religion gemeinsam für unsere Grundwerte einstünde, könnte man dem Problem des fundamentalistischen Terrorismus langfristig begegnen.

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