Tod einer 12-Jährigen: Türkisches Gericht spricht Angehörigen 12.000 Dollar Abfindung zu

Ein türkisches Gericht will die Hinterbliebenen einer getöteten 12-Jährigen mit 28.000 türkischen Lira, umgerecht rund 12.000 Dollar, entschädigen. Das Mädchen wurde 2009 beim Weiden von Vieh in der südöstlichen Provinz Diyarbakır durch ein Geschoss der türkischen Streitkräfte tödlich getroffen. In den Fall hatte sich sogar Amnesty International eingeschaltet.

Im Zuge des tragischen Vorfalls in der Kleinstadt Lice in Südostanatolien wurden Untersuchungen gegen mehrere Offiziere der türkischen Streitkräfte eingeleitet. Der gegen sie erhobene Vorwurf lautete „Fehlverhalten im Dienst“. 2013 wurden die Ermittlungen jedoch eingestellt. Und das, obschon zahlreiche Menschenrechtsgruppen die Behörden beschuldigten, keine zügigen und effizienten Untersuchungen durchgeführt zu haben. Nach Ausschöpfung aller landeseigenen Rechtswege, wandte sich die Familie schließlich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dessen Entscheidung über den Fall ist in Vorbereitung.

Die Familie von Ceylan Önkol hatte zudem beschlossen, unabhängig von der Strafsache gegen den Staat, eine 250.000-Lira-Klage einzureichen. Nun hat das zweite Verwaltungsgericht von Diyarbakır entschieden und eine Abfindunssumme von 29.205 Türkischen Lira angesetzt. Weitere immaterielle Schadenersatzforderungen wurden hingegen abgelehnt, so die türkische Zeitung Hürriyet. Der Anwalt der Familie habe daraufhin eine Beschwerde beim Staatsrat eingereicht.

Der Fall des Mädchens sorgte 2009 für Aufsehen: In einigen Medienberichten sei die Staatsanwaltschaft beschuldigt worden, sich zu sehr auf die Beweise der Militärs zu verlassen. Sie fürchteten um die Unabhängigkeit der Untersuchungen, so das Blatt weiter. Aufgrund einer Geheimhaltungs-Entscheidung seien jedoch ohnehin nur wenige Informationen zugänglich gewesen, was auch von NGOs wie Amnesty International kritisiert wurde. Die Menschenrechtsorganisation schrieb in ihrem Türkei-Report 2010:

„Zeugen berichteten, sie habe Vieh in der Nähe der Gendarmeriestation Tapantepe geweidet, als eine Mörsergranate explodiert sei. Es kam weder zu einer Autopsie des Leichnams noch zu einer unverzüglichen Untersuchung des Vorfalls. Nach Angaben der Behörden konnte der Ort des Geschehens ‚aus Sicherheitsgründen‘ erst drei Tage nach dem Tod des Mädchens in Augenschein genommen werden.“

Der Tod des Mädchen am 28. September 2009 sorgte für nationale Empörung und entfachte eine Diskussion über den Umgang mit Opfern staatlicher Gewalt. So erklärte die Mutter der Getöteten, sie habe ein dreistündiges Verhör auf einem Gendarmerieposten in der Nähe des Tatortes ertragen müssen, unweit der Leiche ihrer Tochter.

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