Abkehr von der Türkei: Grünen-Chef Özdemir sieht sie nicht mehr als wichtigen Partner

Grünen-Chef Cem Özdemir hat scharfe Kritik an der türkischen Regierung geübt. In der Türkei werde die Trennung von Staat und Kirche zwar weitgehend akzeptiert. Doch unter Staatspräsident Erdoğan werde das Schritt für Schritt wieder infrage gestellt.

Grünen-Chef Cem Özdemir erwartet von der Türkei keine Impulse mehr. Nach Ansicht des 49-Jährigen mache das Land unter Erdoğan in Sachen Trennung von Staat und Kirche eher Rückschritte.

«Ich habe das Gefühl – in der Türkei gibt es ja den Laizismus und die Mehrzahl der Muslime in Deutschland kommen ja aus der Türkei -, die haben die Trennung von Staat und Religion schon mehr oder weniger akzeptiert. Umso bedauerlicher ist, dass die gegenwärtige türkische Führung unter Staatspräsident Erdogan und der AKP-Regierung das doch Schritt für Schritt in Frage stellen, relativieren und leider auch abbauen. », sagte Özdemir am Dienstag im Deutschlandfunk. Der Grünen-Politiker betonte: «Das ist für mich sehr bedauerlich, denn damit fällt die Türkei zunehmend aus als ein wichtiger Partner, was die Modernisierung der islamischen Welt angeht.»

Er selbst empfehlt, Religion und Staat voneinander zu  trennen. «Das hat, glaube ich, die Aufklärung nicht nur mit sich gebracht, sondern das hat uns insgesamt gut getan», so Özdemir. Das heiße aber nicht, dass das Religiöse sich vollständig ins Private zurückziehen müsse. Man lebe hierzulande ja in einem säkularen Land. Religion müsse sich nicht verstecken. Allerdings müsse klar sein: «Die Entscheidungen werden von der Politik getroffen und die Religionsgemeinschaften bei uns wirken mit, sie haben eine wichtige Rolle, aber entschieden wird in der Politik und das darf man nicht miteinander vermischen. All die Länder, die das tun, haben auch mehr oder weniger große Probleme, wenn sie das vermischen.»

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