Türkischer Premier Davutoğlu: Der Islam ist europäische Realität

Der türkische Premier Ahmet Davutoğlu hat das Ende seiner Berlin-Visite genutzt, um die Stellung der Muslime in Europa zu festigen. Er geht noch einen Schritt weiter als Bundeskanzlerin Merkel. Denn für ihn ist klar: Der Islam ist eine europäische Realität. Muslime auf dem gesamten Kontinent seien da, um zu bleiben.

Anlässlich des Besuches des türkischen Premiers Davutoğlu hatte Bundeskanzerlin Angela Merkel die Worte des einstigen Bundespräsidenten Christian Wulff wiederholt und abermals erklärt: „Der Islam gehört zu Deutschland“. Ihr Gast ging auf seiner Heimreise vor Journalisten noch ein Stück weiter. Für ihn ist der Islam europäische Realität.

„Es gibt eine entschiedene Überzeugung, dass mit Hilfe einer Akzeptanz des Islam als Realität in Europa eine Lösung gefunden werden kann“, so Davutoğlu zur hitzigen Debatte über die zunehmende Islamophobie in Europa. „Frau Merkel hat das in ihrer Rede sehr deutlich gemacht. Doch ich zweifle, wie viel von dieser Überzeugung in einige Bereiche vorgedrungen sind, insbesondere zu jenen mit Vorurteilen“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet.

Der Premier machte deutlich, dass der Islam in Europa sei, um auch dort zu bleiben. Ein Umstand, den jeder sehen könne. In Europa sei es heute unmöglich, Muslime einfach zurückzuschicken, ganz so, als wären sie nur vorübergehende Migranten. Gerade in Deutschland würden Türken seit mehr als 50 Jahren in großer Zahl leben, so Davutoğlu weiter. Zunehmende rassistische Tendenzen versucht er entsprechend mit ökonomischen Krisen zu begründen. Als Gruppierung, die „besonders gefährliche Botschaften“ verbreite, empfinde er im Augenblick die Pegida-Bewegung. Sein Vergleich der Bewegung mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sorgte jedoch für Schlagzeilen.

Davutoğlus Teilnahme am Trauermarsch von Paris am 11. Januar sei seinen eigenen Angaben zufolge von vielen Staatschefs äußerst positiv aufgenommen (mehr hier). Für ihn sei klar gewesen, dass die Türkei hier unbedingt dabei sein musste. So wiederholte er bereits am 13. Januar vor seinen Parteikollegen: „Wir werden es niemals zulassen, dass Terror mit dem Islam oder eine andere Religion in Verbindung gebracht wird. Wir sind Europäer und wir bleiben Europäer.

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