Pegida: Von einer Feiertruppe zur Massenbewegung

Ohne Facebook hätte das niemals geklappt: Wie Lutz Bachmann im Internet die Pegida-Welle auslöste. Mittlerweile stagniert das Pegida-Account allerdings langsam.

Am 10. Oktober vergangenen Jahres demonstrierten nach Polizeiangaben rund 330 Menschen in der Dresdner Innenstadt für Waffenlieferungen an die PKK. Der 41-jährige Werbegrafiker Lutz Bachmann filmte die Szene mit seinem Handy. Und die Pegida-Bewegung war geboren. „In der Prager Straße demonstrierten ungefähr 2000 Menschen für Waffenlieferungen an die PKK. Das darf man nicht vergessen, bei der PKK handelt es sich um eine verfassungsfeindliche, terroristische Organisation“, sagt Bachmann dem Fernsehableger der rechtsgerichteten Zeitung Junge Freiheit später in einem Interview.

Die Anfänge

Dieses Ereignis war für Bachmann genug, um auf seiner Facebook-Seite zum Protest aufzurufen. Und lag damit goldrichtig: Auf Facebook lassen sich pointierte, zugespitzte und emotionale Inhalte besser verbreiten als sachliche, nüchterne Aussagen, weil sie mehr Nutzer ansprechen“, sagte der Politikberater Martin Fuchs am Donnerstag in einem Interview mit dem mdr. Fuchs beobachtet seit mehreren Jahren intensiv die Online- und Social-Media-Kommunikation von Parteien und Politikern. Politik und Medien würden noch zu wenig Wert auf soziale Medien als Seismograph für politische Themen legen, so Wolf gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk. In anderen Worten: Die breite Öffentlichkeit hat die Anfänge von Pegida mal eben verpasst.

Die Feiertruppe

Ulrich Wolf, ein Journalist von der Sächischen Zeitung, dokumentiert Pegida seit ihren Anfängen. Der ursprünglich als Wirtschaftsredakteur tätige Wolf recherchiert hierfür in der Dresdner Sport- und Partyszene. Fünf enge Bachmann-Freunde aus diesem Milieu gehören zur Startgruppe von Pegida: Bachmanns Frau Vicky, 31, Thomas H., 44, und René J., 49. Alles passionierte Eishockeyfans. Auch die 36-jährige Kathrin Oertel gehört zu dieser Gruppe. Zusammen feiern sie regelmäßig im „Kraftwerk Mitte“, sind Gäste auf Veranstaltungen wie „Disco Total“ oder „Thekenschlampenparty“. Hin und wieder geht es auch mal ins „Klax“, Dresdens älteste Stripteasebar.

Facebook als Meinungsmultiplikator

Was überrascht ist die Tatsache, dass aus dieser auf den ersten Blick apolitischen Feiertruppe eine Bewegung werden konnte. Auch der Pegida-Initiator Bachmann zeigte sich in einem Interview mit der Bild-Zeitung überrascht: „Ich hätte nie gedacht, dass es so einschlägt.“ Facebook als Meinungsmultiplikator. Auf Facebook haben bis heute mehr als 130.000 Personen Pegida gelikt. So lässt sich das rasante Wachstum der Pegida-Bewegung innerhalb weniger Monate besser verstehen: Den Politikberater Martin Fuchs überrascht der Erfolg von Pegida überhaupt nicht. Für ihn spielt Facebook dabei aber eine entscheidende Rolle: „Facebook ist nicht lokal beschränkt, Facebook ist ein internationales Medium. Das heißt, die Unterstützer kommen aus ganz Deutschland und nicht nur aus Sachsen. Das erweitert das Publikum natürlich ganz erheblich.“

Fuchs Erwartung ist, dass Pegida ihren Höhepunkt jetzt erreicht hat und das Wachstum des Pegida-Accounts auf Facebook langsam stagniert. Die Zahlen sind bereits in den vergangenen Tagen nicht mehr so rasant gewachsen.
Nicht nur Pegida auch die sächsische Staatsregierung will Social media jetzt zur Aufklärung nutzen: Anhänger der Pegida-Bewegung sollen bei twitter über die Zuwanderung von Flüchtlingen informiert werden. Deshalb würden bereits seit Tagen «Beiträge zum Thema Asyl mit den Hashtags #pegida und #nopegida gekennzeichnet, um gezielt Informationen in den Diskussionen beizusteuern», sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) (mehr hier).

Zuletzt hatte die Türkisch-Deutsch Studierende und Akademiker Plattform (TDPlattform e.V.) die Bürger Deutschlands aufgefordert, gegen Radikalismus und Ausgrenzung und für eine vielfältige Gesellschaft aufzustehen. Extremisten dürfe nicht die Deutungshoheit über die Gestaltung dieses Landes überlassen werden. Jetzt sei auch die Politik gefragt: Sie solle einen ehrlichen und offenen Diskurs um die Gestaltung des Einwanderungslandes auf Basis universeller Werte und der Menschenwürde beginnen (mehr hier).

Mehr zum Thema:
Rat für Migration: Menschenfeindliche Aufmärsche in Deutschland entbehren jeder Vernunft
Cem Özdemir: Die Pegida-Bewegung ist nicht Deutschland
Städtetag macht klare Ansagen: Wir schaffen Integration

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.