Azhar-Universität verurteilt «Ignoranz» des Westens gegenüber Islam

Islamische Gelehrte der Azhar-Universität in Kairo haben Muslime in aller Welt erneut dazu aufgerufen, die jüngsten Mohammed-Karikaturen der Zeitschrift «Charlie Hebdo» zu ignorieren. Gläubige sollten sich nicht durch die «Ignoranz» anderer verleiten lassen. Proteste haben in der islamischen Welt bereits zahlreiche Tote und Verletzte gefordert.

Bereits am vergangenen Mittwoch warnte die von Muslimen in aller Welt respektierte Azhar-Uni vor «Hass» infolge der Zeichnungen. Dem Westen warfen die Gelehrten hingegen Provokation vor: Meinungsfreiheit bedeute nicht, andere in ihrem Glauben zu beleidigen. «So, wie wir an persönliche Freiheiten glauben, (…) glauben wir auch an gegenseitigen Respekt», hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung.

Am Mittwoch war die erste Ausgabe von «Charlie Hebdo» nach dem Terror-Angriff auf die Redaktion in Paris mit einem Mohammed-Bild auf der Titelseite erschienen. Der Prophet Mohammed wird von Muslimen weltweit verehrt, seine Abbildung gilt im Islam als verboten.

Im Niger steckten die Demonstranten mindestens sieben Kirchen in Brand. Neben den zehn Toten wurde auch eine unbekannte Zahl von Menschen bei den Unruhen verletzt, sagte der Präsident des Landes, Mahamadou Issoufou. Auch in anderen Ländern wie etwa Pakistan und Algerien hatte es gewaltsame Proteste gegen die Zeichnung gegeben.

Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen dürfen weder Gott noch der Prophet Mohammed bildlich dargestellt werden. «Charlie Hebdo»-Chefredakteur Gérard Biard verteidigte in einem Interview das Vorgehen der Zeitschrift. Er hielt den Protesten entgegen: «Jedes Mal, wenn wir eine Karikatur Mohammeds zeichnen; jedes Mal, wenn wir eine Karikatur eines Propheten zeichnen; jedes Mal, wenn wir eine Karikatur Gottes zeichnen, verteidigen wir die Religionsfreiheit», sagte er NBC News.

Der Iran plant unterdessen eine Protestdemonstration gegen die Mohammed-Karikatur in dem französischen Satiremagazin «Charlie Hebdo». Studenten der islamischen Vereinigung wollen an diesem Montag vor der französischen Botschaft in Teheran gegen die «Beleidigung des Propheten» friedlich protestieren. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars vom Sonntag werden auch Abgeordnete der religiösen Minderheiten im iranischen Parlament an der Protestaktion teilnehmen.

Der Iran hatte den Terroranschlag auf «Charlie Hebdo» verurteilt, aber auch die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen. Am Samstag wurde eine iranische Zeitung geschlossen, weil sie ihre Sympathie mit dem islamkritischen Satiremagazin bekundet hatte.

In sozialen Netzwerken setzen iranische Muslime der Mohammed-Karikatur eine Kalligraphie des Namens Mohammed in Arabisch samt der Botschaft entgegen: «Ich liebe Mohammed, ich hasse Terrorismus, und ich verurteile Beleidigung der heiligen Propheten.»

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