Die falschen Witze: Tweet über Erdoğan-Krieger kostet Uni-Professor den Job

Ein türkischer Professor legt sein Amt nieder. Der Grund ist ein Witz über die 16 Krieger im türkischen Präsidentenpalast. Auf Twitter war er da aber nicht der Einzige.

16 Krieger in Ritterrüstung, die goldene Helme und meterlange Speere tragen und noch dazu in Erdoğans Präsidentenpalast Spalier stehen: Das fand ein türkischer Universitätsprofessor lustig. Und twitterte darüber. Das Ergebnis: Der besagte Professor sah sich dazu gezwungen, am vergangenen Wochenende sein Amt niederzulegen.

Hasan Herken, Dekan an der medizinischen Fakultät der Pamukkale Universität im Westen der Türkei hatte getwittert: „Wer ist der Krieger in dem Bademantel?“ Und hatte sich damit auf das Kostüm eines der Krieger im Präsidentenpalast des türkischen Präsidenten Tayyip Erdoğan bezogen, das einem Morgenmantel gleicht. Obwohl Herken den Tweet später wieder löschte, kam sein Rückzug wohl zu spät: Am vergangenen Wochenende ließ der Professor aus Pamukkale nun verlautbaren, dass er sein Amt als Dekan der medizinischen Fakultät niederlegen würde. In einer schriftlichen Stellungnahme hielt Herken fest, dass die „Interpretationen seiner Aussage seine eigentliche Absicht überholt hätten“, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Die 16 Krieger in Erdoğans Präsidentenpalast sollen die 16 großen türkischen Reiche repräsentieren, die in den vergangenen zweieinhalb Jahrtausenden Mittelasien oder den Orient beherrschten. Erstmals waren die Krieger beim Staatsbesuch des Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas in Ankara aufgetaucht. Beim offiziellen Fototermin der beiden Politiker im Präsidentenpalast maschierten 16 Wächter in historischen Gewändern auf, berichtete der englische Guardian.

Der Spott im Internet ließ nicht lange auf sich warten: Auf Twitter konnte man Bilder von Erdoğan in Gesellschaft von Star-Wars Figuren oder Fotomontagen, die den türkischen Präsidenten als Figur der Fernsehserie „Game of Thrones“ zeigen, finden.

In der Türkei ist das eigentlich nichts Neues. Ganz im Gegenteil: Das Land blickt auf eine lange Tradition im Bereich der politischen Satire zurück. Esref oder Neyzen Tevfik gehören zu den berühmten türkischen Humoristen. Während der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts waren die satirischen Kurzgeschichten des unsterblichen Aziz Nesin Bestseller. In der letzten Zeit ist diese Tradition allerdings so gut wie ausgestorben.

Erdoğans Krieger in Ritterrüstung, die goldene Helme und meterlange Speere bieten derzeit allerdings nur das äußere Szenario für den tatsächlichen Machtausbau des türkischen Präsidenten. Bestes Beispiel: Erdoğan greift immer wieder in die türkische Regierungspolitik ein. Anfang dieser Woche hatte der türkische Präsident das Ministerkabinett einberufen. Ähnliche Sitzungen sollen auch in der Zukunft stattfinden (mehr hier). Währenddessen kommt es in der Türkei immer wieder zu erheblichen Verletzungen der Grundrechte: Ein türkisches Gericht hatte Mitte Januar einen Akademiker wegen Verleumdung Erdoğans verurteilt. Zu diesem Zweck formulierte der Richter das Recht auf freie Meinungsäußerung um (mehr hier).

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