Steigender Energiebedarf: Erdoğan fordert 120 Milliarden Dollar Investitionen bis 2023

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan will dem steigenden Energiebedarf seines Landes in den kommenden acht Jahren mit massiven Investitionen begegnen. Bis zum hundertjährigen Jubiläum der Republik sollten umgerechnet gut 120 Milliarden US-Dollar fließen. Seiner Ansicht nach müsse die Türkei aber sowohl auf Atom- als auch auf Erneuerbare Energie setzen.

Das Wachstum der türkischen Wirtschaft in den vergangenen zwölf Jahren zwingt die türkische Regierung nun zum Handeln. Nach Angaben von Erdoğan habe sich der Energieverbrauch in dieser Zeit verdoppelt. Bis 2023 geschehe das noch einmal, so seine Prognose. Doch das erfordere nun auch weitreichende Investitionen.

„Bis zum Jahr 2023 müssen wir 120 Milliarden US-Doller in Energieprojekte investieren“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet im Rahmen des von der türkischen Energieregulierungsbehörde EMRA organisierten Energy Markets Summit. So sei die KirkukYumurtalık Ölpipeline wieder aktiv. Die Transanatolische Pipeline (TANAP) sei überdies ein weiteres „spannendes Projekt“ (mehr hier).

In welche Richtung es für die Türkei in Sachen Energiepolitik in den kommenden Jahren gehen soll, machte der Präsident bei dieser Gelegenheit erneut deutlich: „Wir sind entschlossen, sowohl die Kernenergie in der Türkei als auch die Erneuerbaren Energien zu entwickeln.“ Gleichzeitig kritisierte Erdoğan, dass die entsprechenden Beitrittskapitel mit der EU nach wie vor nicht geöffnet worden seien (mehr hier). Auf Fragen, woran das liegen könnte, hätte Ankara keine Antwort erhalten. gleiches gelte für andere Kapitel, so Erdoğan. Man habe auf das Nabucco-Projekt bestanden, doch dieses sei gescheitert. Ankaras Fokus liege nun ganz klar auf TANAP, das irakisches und aserbaidschanisches Gas über die Türkei nach Europa befördern soll. Das 45 Milliarden-Dollar-Projekt soll bis spätestens 2018 fertiggestellt sein. Beteiligt hieran ist auch das britische Öl- und Gasunternehmen BP. Ehrlichkeit ist ein Muss. Wir können den Prozess für jedes Kapitel binnen zwei bis drei Monaten beginnen, wenn die EU sagt, dass sie bereit ist, mit uns zu verhandeln“, so Erdoğan weiter.

Derzeit sind die Erdgas und Strompreise der Türkei die günstigsten innerhalb der 28 EU-Staaten. Sie bewegen sich auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2008, so der türkische Energieminister Taner Yıldız. Yıldız zufolge würde sein Ministerium die erneuerbaren Ressourcen bevorzugen, um die Erdgaseinfuhren zu verringern. Bis 2023 müsse die Türkei 110.000 Megawatt an Energiekapazität zulegen. Bis dahin sollen dann auch gut 30 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Ressourcen gedeckt werden. Dieser Fokus mache sich bezahlt: So habe die Türkei im Jahr 2014 850 Millionen US-Dollar weniger für seine jährlichen Energieimporte bezahlt. Und das nur aufgrund der Erhöhung der Leistung aus Erneuerbaren Energien. „Vor zwei Monaten war die Türkei erstmals in der Lage, für einen Tag zehn Prozent der täglichen Energieleistung aus Windkraft zu generieren“, so der Energieminister.

EMRA-Chef Mustafa Yılmaz nutzte die Veranstaltung, um über die Branche im Allgemeinen zu informieren. Ihm zufolge seien in der Türkei 615 Stromerzeugungs-Unternehmen und 160 Zulieferer ansässig. Der Erdgasverbrauch des Landes habe sich im vergangenen Jahrzehnt auf nun 50 Milliarden Kubikmeter (bcm) verdreifacht. Etwa 54 Prozent des Gases würden für industrielle Zwecke und Heizung verwendet. Derzeit hätten insgesamt 71 Städte Zugang zu Erdgas. Um diese Quote zu erreichen, seien in der vergangenen Dekade bereits zwölf Milliarden US-Dollar investiert worden.

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