So lange leben Krebs-Patienten: Türkische Gesundheitsbehörde verstört mit knallharten Statistiken

Das türkische Gesundheitsministerium hat mit einer Veröffentlichung über Krebspatienten für Diskussionstoff gesorgt. Die zuständige Abteilung zeigte in ihrem Report „Krebsbekämpfung in der Türkei 2014“ die durchschnittliche Lebenserwartung von Krebspatienten in Form von Überlebensspannen auf. In Fachkreisen wird das als Verstoß gegen die Würde der Patienten gewertet.

Die im Bericht der Behörde dargelegten Zeitleisten gehen auf 13 verschiedene Krebsarten ein. Gleichzeitig wird jedoch darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um Mittelwerte handle. Schließlich hänge die persönliche Lebenserwartung vom Alter des Patienten, der Art und Aggressivität des Krebses, von Effekten andere Krankheiten des Patienten sowie der Biologie des Tumors ab. Dennoch sei der Bericht alles andere als angemessen – so der Tenor der landesweiten Diskussion.

Der Krebs-Report habe diverse Organisationen auf den Plan gerufen. Darunter die Türkische Ärztekammer und die Vereinigung für Patientenrechte, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Die Argumentation: Die Lebenserwartung solcher Patienen in absoluten Zahlen zu veröffentlichen, sei ein Verstoß gegen die Rechte der Patienten. Die Folgen werden als fatal eingeschätzt: So könnten die Betroffenen durch solche exakten Angaben ihren Kampfgeist einbüßen. Das wiederum wirke sich negativ auf den Behandlungszeitraum aus, so etwa die Vereinigung für Patientenrechte.

Auch Beyazıt İlhan, Generalsekretär der Türkischen Ärztekammer, kritisierte die Entscheidung, die Lebenserwartung für die Patienten dergestalt anzugeben. Es handelt sich um Durchschnittszahlen. Wenn man diese auf einer Internetseite veröffentlicht, wird das die Motivation der Patienten hinsichtlich ihrer Behandlung negativ beeinflussen“, so İlhan. Weder Ärzte noch das Gesundheitsministerium sollten Informationen zu einem Patienten über dessen Lebenserwartung herausgebe, sagt auch der Onkologe Murat Baş. Auf diese Weise erzeuge man eine Art Schicksal. Das sei das Gefährliche an diesen statistischen Daten. Am Ende könnten solche Angaben sogar dazu führen, dass ein Patient eine lebenswichtige Behandlung abbreche. „Das Wichtigste ist nicht die Lebenserwartung. Es geht darum, dem Patienten beizubringen, wie er ein qualitativ hochwertiges und gesundes Leben führen kann.

Unterdessen lässt eine neue Studie aus den USA aufhorchen. Ein gesunder Lebenswandel hat auf die meisten Krebsarten keinen Einfluss. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Johns Hopkins University in Baltimore/USA. Zwei Drittel aller Krebsfälle sind einer entsprechenden Studie zufolge einfach Pech. Nur ein Drittel der Variation im Krebsrisiko entstünde durch Umweltfaktoren oder erbliche Veranlagung. Es komme also weniger auf das Verhalten als viel mehr auf das Glück des Patienten an, berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg.

Die Forscher haben demnach für ihre Studie Statistiken über verschiedene Krebsarten untersucht und ausgewertet. Weniger als ein Drittel davon sei auf bekannte Risikofaktoren wie etwa Rauchen, Alkohol oder UV-Strahlung zurückzuführen. Die übrigen 22 von 31 Krebsarten, also gut zwei Drittel, entstehen der Analyse zufolge durch zufällige Mutationen der Gene während der Zellteilung.

Die Zahl der jährlichen Krebs-Toten wird in den kommenden zwei Jahrzehnten von acht auf 13 Millionen ansteigen, so ein WHO-Bericht bereits Anfang 2014. Vor allem die Industrie-Staaten sind von dem Anstieg betroffen. Die häufigsten Krebs-Arten im Jahr 2012 waren Lungen-Krebs (1,8 Millionen), Brust-Krebs (1,7 Millionen) und Dickdarm-Krebs (1,4 Millionen), so der WHO-Bericht. Die meisten Todesopfer forderten der Lungen-Krebs (1,6 Millionen), Leber-Krebs (0,8 Millionen) und Magen-Krebs (0,7 Millionen) (mehr hier).

Hier geht es zum Krebsbericht 2014.

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