Junge geduldete Migranten: Nicht überall in Deutschland haben sie die gleichen Ausbildungschancen

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat im Rahmen einer Untersuchung festgestellt: Der Zugang zum Ausbildungsmarkt für junge geduldete Migranten weist von Ort zu Ort deutliche Unterschiede auf. Eigentlich war dieser vor dem Hintergrund der Diskussion um fehlende Fachkräfte seit 2009 erleichtert worden. Doch an der Umsetzung dieser geänderten politischen Vorgaben hapert es offenbar.

Seit 2009 sollte es für geduldete Migranten eigentlich einfacher sein, in der Bundesrepublik eine duale Ausbilung zu beginnen. Doch unterschiedliche Handhabungen in den verschiedenen Regionen machen es den Arbeitswilligen teils nach wie vor schwer, hier Fuß zu fassen, so das Ergebnis einer IAB-Studie.

Bei geduldeten Migranten handle es sich um Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis, deren Abschiebung aber beispielsweise aufgrund von Kriegen im Herkunftsland oder fehlenden Personaldokumenten ausgesetzt sei, so das IAB. Seit nunmehr fünf Jahren seien nun die Zutrittsmöglichkeiten für die Aufnahme einer dualen Ausbildung verbessert worden: Die Ausschlusszeiten vom Arbeitsmarkt wurden abgebaut, Genehmigungsverfahren vereinfacht und die finanzielle Förderung verbessert. Gefruchtet haben diese Maßnahmen allerdings nicht überall. So stellen die Arbeitsmarktforscher Franziska Schreyer, Angela Bauer und Karl-Heinz P. Kohn nach zahlreichen Gesprächen mit Fachleuten aus Ausländerbehörden, Förderprogrammen und dem Schulsystem fest, „dass der Zugang zu betrieblicher Ausbildung für junge Geduldete in manchen Regionen eher ermöglicht wird als in anderen.“

Die Schwierigkeiten erscheinen nach Ansicht der Forscher umfassender Natur. „Rechtliche Hürden bestehen insbesondere mit Blick auf Beschäftigungserlaubnisse und Duldungsdauern immer noch. Hinzu kommt, dass Ausländerbehörden als rechtliche Schlüsselinstitutionen vor Ort teils verschieden handeln“, so die Autoren zu ihren Ergebnissen. Unterschiede würden sich außerdem bei den Arbeitsagenturen und berufsschulischen Angeboten feststellen lassen.

Wie das IAB informiert, sei die rechtliche Voraussetzung für eine duale Ausbildung Geduldeter eine Beschäftigungserlaubnis, die von den zuständigen Ausländerbehörden erteilt werde. Bei der entsprechenden Prüfung seien die Behörden bei jungen Geduldeten ohne Personaldokumente meist verpflichtet, Mitwirkung bei der Beschaffung von Papieren einzufordern. Diese Mitwirkung könne demnach etwa darin bestehen, dass sich Geduldete bei ihren Botschaften um neue Personaldokumente bemühen oder dafür im Herkunftsland einen Rechtsbeistand einschalteten. Ihm Rahmen der Fallstudien wurde nun aber festgestellt, „dass Behörden diesen Prozess in verschiedener Weise begleiten und eine Mitwirkung unterschiedlich anerkennen. Geduldete haben in der Folge regional ungleiche Chancen auf eine Beschäftigungserlaubnis.“

Erschwerend kommt hinzu, dass offenbar die genehmigten Dauern der Duldungen unterschiedlich lang sind. Die kürzeste beobachtete Duldung habe einen und die längste zwölf Monate betragen. „Gemessen an Ausbildungsdauern von etwa drei Jahren ist beides zu kurz“, so die Forscher.

Unterschiede in der Verwaltungspraxis hätten sich überdies auch bei Arbeitsagenturen, etwa was das Wissen um die Möglichkeiten der Ausbildung Geduldeter angeht, gezeigt. Teils seien Agenturen unsicher, inwieweit sie zuständig sind und Förderungen in Betracht kommen, fasst das IAB zusammen. Teils gebe es jedoch schon spezifische Angebote vor Ort, mit denen Geduldete frühzeitig beraten würden.

Nach Ansicht der Arbeitsmarktforscher gibt es nun zwei Wege, um die Chancen von jungen geduldeten Migranten auf dem Ausbildungsmarkt weiter zu verbessern. Sie empfehlen zum einen dauerhafte Beratungsnetzwerke „als Schnittstelle zwischen Geduldeten, Behörden, Schulen und Betrieben“. Zum anderen müsse ein gesicherter Aufenthalt während der Ausbildung gegeben sein. Das würde sowohl den Auszubildenden als auch den Betrieben entgegenkommen, so die Forscher.

Hier geht es zur kompletten IAB-Studie.

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