Blutrache in Lüneburg: Nach Schießerei nun Anklage wegen versuchten Mordes

Nach einer blutigen Auseinandersetzung zwischen zwei Großfamilien vor dem Klinikum Lüneburg hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Bei der Schießerei waren drei Männer getroffen worden. Sieben Männer müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Einzelne Familienmitglieder seien in den vergangenen Jahren immer wieder durch eine Vielzahl von Straftaten aus allen Deliktsbereichen auch in Niedersachsen aufgefallen, so das LKA. (Foto: Flickr/ you Tough guy you by Irwin-Scott CC BY 2.0)

Einzelne Familienmitglieder seien in den vergangenen Jahren immer wieder durch eine Vielzahl von Straftaten aus allen Deliktsbereichen auch in Niedersachsen aufgefallen, so das LKA. (Foto: Flickr/ you Tough guy you by Irwin-Scott CC BY 2.0)

Bei dem Streit zwischen den Familien libanesisch-kurdischer und türkisch-kurdischer Herkunft war es im September zunächst zu einer Massenschlägerei in einem Fitnessstudio gekommen, nach der mehrere Teilnehmer verletzt ins Krankenhaus kamen. Dort fielen am nächsten Tag Schüsse, drei Männer wurden getroffen.

Sieben Männer im Alter von 26 bis 34 Jahren aus einer Familie müssten sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts Lüneburg verantworten, sagte eine Sprecherin am Freitag. Die Anklagebehörde spricht von «Blutrache»: Es sei um Rache und gekränktes Ehrgefühl gegangen, so die dpa.

Beide Familien gehören anscheinend zu den sogenannten Mhallamiye-Kurden – einer ethnischen Minderheit, die den Strafverfolgern in Deutschland seit langem Kopfzerbrechen bereitet.

Einzelne Familienmitglieder seien in den vergangenen Jahren immer wieder durch eine Vielzahl von Straftaten aus allen Deliktsbereichen auch in Niedersachsen aufgefallen, sagt der Sprecher des Landeskriminalamts (LKA), Frank Federau. Seit einem Vorfall am Landgericht Hildesheim gebe es zunehmend Ausschreitungen und Bedrohungen gegen Justizbedienstete.

Damals musste sich ein Angehöriger der auch M-Kurden genannten Minderheit für tödliche Schüsse auf den Liebhaber seiner Frau verantworten. Im Gerichtssaal von Hildesheim kam es im Juli 2012 zu heftigen Tumulten, als der Mann wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Angehörige des Mannes bedrohten Richter, Staatsanwalt und die anwesenden Polizisten mit dem Tod. Auf dem Flur rissen aufgebrachte Zuschauer Tische und Stühle um. Die Bereitschaftspolizei rückte mit mehreren Mannschaftswagen an, um die Gruppe aufzulösen.

Ein Angriff auf ein Mitglied einer der patriarchalisch geprägten Familien werde als Angriff auf den gesamten großfamiliären Haushalt verstanden, erklärte LKA-Sprecher Federau. Ehrverletzungen müssten «gerächt» werden. Bei Konflikten werde schnell zu Handfeuerwaffen und Messern gegriffen, und sie seien immer von einer «hohen Emotionalität» geprägt.

Etwa 15 000 Mhallamiye leben derzeit in Deutschland, wie es in der Antwort auf eine Parlamentsanfrage in Niedersachsen heißt. Größere Gemeinden gebe es in Berlin, Bremen und im Ruhrgebiet.

Den Rechtsstaat und die hier geltenden gesellschaftlichen Regeln lehnten die Familien ab, so das LKA. Polizeiliche Maßnahmen und Gerichtsentscheidungen beeindruckten sie nicht, gegenüber behördlichen Autoritäten oder Weisungen seien sie teilweise völlig uneinsichtig.

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