Stehlen für den Terror: Syrische Dschihadisten klauen rund 2000 Autos in der Türkei

In den vergangenen zwei Jahren wurden rund 2000 in der Türkei gestohlene Fahrzeuge ins benachbarte Bürgerkriegsland Syrien verschoben. Das Gros waren Nutzfahrzeuge wie Lieferwägen. Die türkische Polizei geht davon aus, dass die meisten Autos direkt an dort kämpfende Dschihadisten verkauft wurden.

Nach Angaben der türkischen Polizei und der Gendarmerie wurden die 2.000 Fahrzeuge in den Jahren 2013 und 2014 gestohlen und mit falschen Nummernschildern nach Syrien geschmuggelt. Meistens habe es sich um Transporter oder Lieferwagen gehandelt, die direkt an die islamische Terrormiliz IS gegangen seien. Genutzt würden diese Fahrzeuge von Kampfgruppen zum Transportieren von Munition und Kämpfern.

Nach Angaben der Abteilung für öffentliche Sicherheit der türkischen Polizeibehörde, würden in der Türkei täglich rund 63 Fahrzeuge gestohlen. Istanbul sei mit 26 Fahrzeugen pro Tag die Provinz, in der die meisten Fahrzeuge abhanden kämen. Allein im Jahr 2014 seien insgesamt 23.000 Fahrzeuge in der Türkei gestohlen worden, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Neben Nutzfahrzeugen hätten die Diebe aber auch ein Interesse an Luxusfahrzeugen und neuwertigen Modellen. Diese würden den Polizeiangaben zufolge vor allem nach Nord-Syrien und in den Irak geschmuggelt.

Besonders brisant werden die Zahlen in Anbetracht der Tatsache, dass Autobombenanschläge im Nahen Osten häufig mit gestohlenen Fahrzeugen durchgeführt werden. Zuletzt erschütterte im Februar 2013 ein Bombenanschlag am Grenzübergang Cilvegözü die Bevölkerung. Damals wurden 14 Menschen getötet. Die türkischen Behörden gaben Damaskus die Schuld für den Angriff (mehr hier). Der tödlichste Terroranschlag in der Geschichte der Türkei mit mehr als 50 Toten ereignete sich 2013 im Bezirk Reyhanlı in der südlichen Provinz Hatay (mehr hier). Zu jener Zeit gingen die Behörden noch von einer Verbindung zum syrischen Machthaber Bashar al-Assad und nicht zu islamistischen Rebellen aus. Mittlerweile scheint sich jedoch herauszukristallisieren, dass schon damals eine Verbindung zur Terrororganisation Al-Qaida bestanden haben könnte, so die türkische Zeitung weiter.

Tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind auch die vier Autobomben-Anschläge im Zentrum von Istanbul vom 15. November und 20. November 2003. Dabei wurden 57 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Damals bekannte sich Al-Qaida zu den Anschlägen auf das Beth Israel und die Neve Shalom Synagoge als auch auf die HSBC-Bank-Zentrale und das britische Konsulat. Unter den Opfern befand sich auch der britische Generalkonsul Roger Short.

Die türkischen Behörden gehen davon aus, dass sich in der Türkei derzeit rund 3000 Personen mit Verbindungen zu IS aufhalten. 700 bis 1000 weitere sollen sich im aktiven IS-Einsatz befinden. Deren potentielle Rückkehr sorge die türkische Regierung immens, so Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Öl, Gas und der Dollar: Worum es im Syrien-Krieg wirklich geht
Bürgerkrieg in Syrien: Alte Schuld erzeugt neue Schuld
Syrien-Konflikt: Warum sich die Türkei keinen Angriff leisten kann

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.