Sprüchereißer Buschkowsky tritt zurück – eine Ära geht zu Ende

In Berlin-Neukölln geht eine Ära zu Ende. Der streitbare Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky hört nach 15 Jahren auf. Die Hauptstadt verliert damit einen wortgewaltigen Politiker, der einst verkündete: «Multikulti ist gescheitert.»

Eigentlich ist Heinz Buschkowsky schon länger Pensionär. Die reguläre Amtszeit des Bezirksbürgermeisters von Berlin-Neukölln endete bereits im Juli 2013 mit seinem 65. Geburtstag. Doch damals mochte der konfliktfreudige SPD-Politiker nicht aufhören. Mit seinen markigen Worten zum Thema Zuwanderer genoss er bundesweit Aufmerksamkeit.

Gerade war er nach dem Erfolg seines Buches «Neukölln ist überall» (September 2012) gern gesehener Gast in Talkshows zum Thema Zuwanderer und Integration. Buschkowsky ließ sich seine vierte Amtszeit bis zur nächsten Wahl 2016 verlängern. Nun gab der 66-Jährige am Dienstag überraschend seinen Rücktritt zum 1. April bekannt. Die Gesundheit spielt nicht mehr mit.

Doch Kürzertreten kommt für den Vollblut-Politiker in seinem Job nicht infrage, so die dpa. «Da geht nur ganz oder gar nicht», teilte Buschkowsky via «Bild.de» mit. Dass sich der wortgewaltige Poltergeist ganz von der politischen Bühne zurückzieht, ist aber kaum denkbar. Vermutlich schreibt er schon an seinem dritten Buch.

Wie kaum ein anderer Kommunalpolitiker hat sich Buschkowsky in den mehr als 15 Jahren als Rathauschef von Berlin-Neukölln mit sehr klaren, manchmal derben, teils ironisch zuspitzenden Worten Gehör verschafft. Bereits 2004 verkündete er: «Multikulti ist gescheitert.» Der kleine, stämmige Sozialdemokrat redete sich oft mit hochrotem Kopf in Rage.

Integration nach SPD-«Gutmenschenart» nur mit Fördern und Sozialhilfe funktioniert nicht, lautet sein Credo. Wer sich als Zuwanderer oder deutscher Hartz-IV-Empfänger nicht an die Regeln halte und selbst anstrenge, dem müsse der Staat auch mit Repression antworten. «Integration und die Bereitschaft dazu sind in erster Linie eine Bringschuld der Hinzukommenden», schrieb er in seinem Buch.

Buschkowsky hat nie verhehlt, dass er auch gezielt provoziert, um sich Aufmerksamkeit für seine Überzeugungen zu sichern. Seine Kritik an dem seinerzeit von der schwarz-gelben Bundesregierung geplanten Betreuungsgeld für die Erziehung zu Hause trug ihm sogar Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung ein. «In der deutschen Unterschicht wird es versoffen und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt», hatte er dazu gesagt.

Den Linken, gerade auch in der SPD, hielt der konservative Sozialdemokrat vor, sie könnten nicht mit der Realität umgehen. Dort herrsche «Wirklichkeitsverweigerung bis zur Selbstverleugnung», sagte er 2012 zur heftigen Kritik an seinem Buch. In «Neukölln ist überall» schildert er auch zahlreiche Beispiele für Kriminalität, Gewalt, gescheiterte Integration und Islamismus.

Doch Buschkowsky kritisierte nicht nur, er bot auch Hilfen. Er will Chancen für den sozialen Aufstieg aller Benachteiligten schaffen. Und diesen Aufstieg verkörperte der Sozialdemokrat – stets korrekt im dunklen Anzug, quietschbunten Krawatten und goldgeränderter Brille – selbst. Der 66-Jährige ist ein Berliner Urgestein. Als Sohn eines Schlossers kennt er sich in einfachen Verhältnissen aus.

Sein Herz gehört nach eigenem Bekunden den kleinen Leuten, für die er etwas im Kiez bewirken will. Dafür wird er dort auch geliebt. Im Blog «Neuköllner Net» – lautet am Dienstag gleich eine Frage: «Und was wird jetzt aus Neukölln?»

Mehr zum Thema:

SPD-Buschkowsky: Die Türken in Berlin-Neukölln leben in einer „anderen, abgesonderten Gesellschaft“
Literatur gegen Buschkowsk​y-Thesen: „Neukölln ist nirgendwo“
Stimmen aus Neukölln zu Sarrazin: „Der soll erst einmal richtig Englisch lernen“

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.