Experiment gescheitert: Türkischer „Panic Button“ kann Frauen nicht beschützen

Das 2012 mit viel Enthusiasmus gestartete türkische Projekt „Panic Button“ ist offenbar gescheitert. 2012 wurde von Familien- und Sozialministerin Fatma Şahin die erste Testphase in den Regionen Bursa und Adana gestartet. Wie nun aber aus einem Bericht der Generaldirektion für Sicherheit hervorgeht, konnte es bedrohte Frauen kaum schützen.

Der Bericht, der aktuell der zuständigen Parlamentskommission für Gewalt gegen Frauen vorliegt, stellt klar, dass die vor zwei Jahren anvisierten Ziele nicht umgesetzt werden konnten. Mit Hilfe des so genannten „Panic Button“ sollte es Frauen möglich sein, im Ernstfall schnell mit der Polizei in Kontakt zu treten. Einen effektiven Schutz boten sie aber offenbar nicht.

Der Plan der türkischen Regierung klang stimmig: Verteilt wurden die „Panic Buttons“ über die hiesigen Gerichte an Frauen, die häuslicher Gewalt ausgeliefert waren. Einmal gedrückt, würde die Position der Frauen via GPS-Technologie an die 155-Hotline der Polizei übermittelt. Genutzt würden dafür Avea SIM-Karten. Sobald die Buttons an die Frauen ausgehändigt würden, starte auch ihre Überwachung via MOBESE Überwachungskameras. Darüber hinaus könnten diese über die Buttons, die unauffällig als Schmuckstück, Handy oder Uhr getarnt sind, auch sprachlich und via SMS kommunizieren, so die damalige Familienministerin zum Start der Testphase im Herbst 2012 (mehr hier).

Nach zwei Jahren erscheint die Bilanz jedoch ernüchternd. „Eine Frau aus Bursa wurde von ihrem Mann mit einem Messer verletzt, obwohl sie den Panik-Knopf gedrückt hatte, weil ihre Lage nicht auf der Karte entdeckt werden konnte“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet aus dem Bericht. Doch das sei nicht das einzige Mal gewesen, dass die Behörden dem System mangelnde Funktionalität bescheinigten. Auch vom Generaldirektorat für Frauen seien entsprechende Hinweise auf Ineffizienz des „Panic Buttons“ gekommen.

„Die Sicherheitstaste wird zwar verwendet, wenn sich das Opfer in einer gefährlichen Situation befindet, aber die Effizienz der Sicherheitstaste ist in der Praxis sehr gering. Der Zeitraum zwischen dem das Opfer den Knopf drückt, bis zum Eingreifen der Polizei ist ein Beweis für diese Gefahr“, heißt es hierzu weiter.

Familien- und Sozialministerin Ayşenur İslam erkannte bereits 2014, dass das System nicht funktionierte und Gewalt gegen Frauen nicht verhindern könne, schreibt das Blatt. So habe İslam am 30. Oktober 2014 gesagt: Die elektronische Überwachung des Täters statt des Opfers, ist ein viel besseres System. Es gibt bereits ein solches System in der Türkei, eine Bewährungshilfe, unter der der Täter beobachtet wird und von seinem Opfer fernhalten wird. Wir wollen, dass das gleiche System in Fällen von Gewalt gegen Frauen angewendet wird.

Im Rahmen des Pilotprojektes wurden in Adana 103 Menschen mit dem Panik-Knopf versehen. 18 von ihnen haben das Gerät nach wie vor. In Bursa wurden das Gerät an 112 Personen ausgegeben. Insgesamt 43 von ihnen haben es immer noch.

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