Pegida schafft Klima der Gewalt: In Deutschland steigt die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge

Im Zeiten von Pegida nimmt Gewalt gegen Flüchtlinge zu. Die Anschläge werden immer brutaler stellen Flüchtlingsorganisationen fest. Hetze und Gewalt gegen Flüchtlinge gibt es in ganz Deutschland.

In Zeiten von Pegida gibt es mehr Gewalt gegen Flüchtlinge (Screenshot YouTube).


In Zeiten von Pegida gibt es mehr Gewalt gegen Flüchtlinge (Screenshot YouTube).

Anfang Januar müssen sechs Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Grabau im Freien Schutz zu suchen, weil sie vor lauter Rauch fast nichts mehr sehen. Unbekannte hatten im Treppenhaus einen Nebeltopf gezündet. Schon am nächsten Tag geraten vier geflüchtete Iraker in den Fokus von ca. 20 Rechtsextremen. Sie werden massiv angepöbelt und beleidigt. Die Liste lässt sich fortsetzen: In Deutschland finden statistisch gesehen jede Woche drei Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte statt. Jeden Monat werden zudem mehr als sechs Übergriffe auf Flüchtlinge verübt, geht aus einer am Montag in Berlin veröffentlichten Analyse von Pro Asyl und der Amadeu Antonio Stiftung hervor.

Die Amadeu Antonio Stiftung führt gemeinsam mit PRO ASYL eine „Chronik der Gewalt“. Daraus geht hervor, dass es in Deutschland zu einem Anstieg der Angriffe auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte gekommen ist. „Wir sehen ein Zusammenhang zwischen Pegida und dem Anstieg der Gewalt gegen Flüchtlinge, sagt Timo Reinfrank der Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. „Was uns beunruhigt, ist aber nicht nur die Anzahl der Anschläge, sondern vor allen Dingen die Qualität der Anschläge. Die Brutalität der Anschläge auf Flüchtlinge hat deutlich zugenommen“, so Reinfrank auf Anfrage der DTN.

Der direkte Zusammenhang zwischen Pegida und den Anschlägen wird deutlich am Beispiel von Sachsen, der Wiege von Pegida. Hier leben Flüchtlinge derzeit am gefährlichsten: In Sachsen wurden im vergangenen Jahr 25 tätliche Angriffe auf Flüchtlinge und Migranten von den Behörden registriert, die rassistisch motiviert waren, so berichtet LVZ-Online. Dabei sei vor allem auffällig, dass die Tendenz zum Jahresende anstieg.

Doch auch bundesweit macht sich Pegida bemerkbar: Seit den ersten Pegida-Demonstrationen Ende Oktober habe sich die Zahl rassistisch motivierter Übergriffe gegenüber dem vorigen Dreimonatszeitraum verdoppelt, berichtet das ARD-Magazin Report Mainz. Während es in den drei Monaten vor Pegida bundesweit 33 Übergriffe auf Migranten und Flüchtlinge gegeben habe, seien es innerhalb der vergangenen drei Monate 76 Taten gewesen.

Vertreter der Pegida-Bewegung hatten sich in der Vergangenheit offiziell von Gewalt und Extremismus distanziert. Der Rücktritt der Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel vom 27. Januar wirft allerdings neue Fragen bezüglich des weiteren Kurses von Pegida auf: Sie hatte am Dienstagabend bekannt gegeben, ihr Amt niederzulegen. Hintergrund sei der Verbleib von Herrn Bachmann im Orga-Team der Pegida sowie die mangelnde Abgrenzung von Legida in Leipzig, so ein Pegida-Vertreter gegenüber bild.de. Lutz Bachmann war Mitte Januar nach heftiger Kritik an Fotos in Hitler-Pose und fremdenfeindlichen Äußerungen im Internet von seinen Funktionen bei der Organisation zurückgetreten.

Eine Gruppe von Berliner Forschern hatte sich gerade zu dem Profil von Pegida-Teilnehmern geäußert Bei den Teilnehmern handele es sich um „keine besorgten Normalbürger.“ „Rechtspopulistische und rechtsextreme Einstellungen lägen bei den Befragten eindeutig über dem Bevölkerungsdurchschnitt.“ Die Teilnehmer seien „eher jung“, und hätten einen „akademischen Abschluss“. Die Tatsache, dass dieser Bevölkerungsbereich in der Regel als “gemäßigter“ gilt, ließe, so das Forscherteam, Raum für Spekulationen über den Rest der Pegida-Teilnehmer: Von denen man extremere Auffassungen erwartet (mehr hier).

Gleichzeitig wird erwartet, dass der Höhepunkt von Pegida vorbei ist: Das Organisationsteam sprach am vergangenen Sonntag von 20 000 bis 25 000 Teilnehmern, die Polizei zählte gut 17 000. Auch der Pegida-Ableger in Leipzig hatte in der Woche davor deutlich weniger Menschen auf die Straße gebracht als erwartet (mehr hier).

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