Pegida am Ende: Die islamkritische Bewegung zerlegt sich selber

Die Pegida-Führung ist gespalten. Beide Lager rufen ihre Anhänger nun zu getrennten Kundgebungen auf. Viele Beobachter überrascht diese Entwicklung überhaupt nicht.

Nach der Spaltung der Pegida-Führung will sich der Kern um die ehemalige Sprecherin Kathrin Oertel neu aufstellen. Für viele Beobachter kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Viel zu diffus waren die Forderungen der schnell anwachsenden Bewegung. An der umstrittenen Person ihres Gründers Lutz Bachmann und rechtsradikalen Positionen scheiden sich nun die Geister.

Warum ist Pegida zerstritten?

Bei dem Streit geht es vor allem um die Rolle von Bachmann. Er trat zwar wegen fremdenfeindlicher Äußerungen als Chef zurück, wollte aber nach Aussagen des bisherigen Vereinsmitglieds René Jahn im Organisationsteam weiter mitmischen. Wie die dpa berichtet, setzt Sprecherin Oertel nun mit vier anderen zurückgetretenen Vereinsvorständen auf eine Kursänderung. Sie will ein neues Bündnis gründen, bei dem Asylpolitik nicht mehr an erster Stelle steht. Unklar ist, ob man den Schulterschluss zur rechtskonservativen AfD suchen wird. Im Talk bei Günther Jauch hatte sich Oertel als AfD-Wählerin geoutet.

Ist die Spaltung der Anfang vom Ende?

Darüber lässt sich bisher nur spekulieren. «Es ist möglich, dass sich Pegida jetzt selbst zerlegt – genau zum Zeitpunkt, wo es notwendig wird, konkret zu werden», sagt der Dresdner Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt. Entweder gebe es nun eine harte, eher rechtsradikale Linie, oder eine weiche, AfD-artige Linie. Patzelt schließt nicht aus, dass man sich genau darüber bei Pegida in die Haare bekommen hat. «Wenn sich aber nun die Nicht-Extremisten aus dem Orgateam zurückziehen, dann gibt es für die Vernünftigeren keinen guten Grund mehr, zu Bachmann-Veranstaltungen hinzugehen. Damit reduziert sich die Bewegung auf den Kern derer, die tatsächlich rechtsradikal sind.»

Droht mit dem Rückzug von Oertel und Co. ein Rechtsruck?

Experten wie Patzelt sehen die Stunde der Wahrheit bei der nächsten Pegida-Demonstration am 9. Februar kommen. Für den kommenden Montag haben die Organisatoren ihre Demo abgesagt – nach eigenen Angaben aus organisatorischen und rechtlichen Gründen. Bisher wurden Rechtsextreme nur als kleine Minderheit bei den Pegida-Demos ausgemacht, auch wenn Rednern Beifall bei fremdenfeindlichen Äußerungen stets sicher war. Bei Bachmann ist denkbar, dass er die eher rechtsgerichteten Anhänger um sich versammelt und die Nähe zur radikaleren Legida in Leipzig sucht.

Wie geht es in Dresden weiter?

Beide Lager rufen ihre Anhänger nun zu getrennten Kundgebungen auf. Die zurückgetretenen Pegida-Führungsleute meldeten für den 9. Februar in Dresden eine erste eigene Kundgebung an. Nach Angaben der Stadt vom Donnerstag rechnen die Initiatoren mit bis zu 5000 Teilnehmern. Der Rest des Organisationsteams will seiner Linie treu bleiben und weitermachen. So wirbt Pegida auf seiner Facebook-Seite, die weiter von den Leuten um Bachmann betrieben wird, ebenfalls für eine Kundgebung am 9. Februar. Die Kundgebung für den kommenden Montag (2. Februar) hatte Pegida abgesagt.

Hat das Zerwürfnis Auswirkungen auf Pegida-Ableger?

Die meisten Ableger machen offenkundig weiter. In Leipzig sind für diesen Freitag sieben Legida-Veranstaltungen sowie neun Gegenaktionen angemeldet. Islamkritiker in Frankfurt haben bis zum Jahresende jeden Montag Demonstrationen angemeldet. Für Suhl steht der kommende Montag als nächster Demo-Termin des durch harte Rechtsextremisten geprägten Ablegers sügida. Auch in Stralsund, Würzburg, Hannover und Braunschweig wollen sich in den nächsten Tagen Pegida-Anhänger versammeln – genauso wie Gegendemonstranten. Der rechtsgerichtete Ableger Kögida zieht sich aus Köln zurück. An Düsseldorf wollen die Organisatoren aber festhalten.

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