Türkische Gemeinde in Deutschland trauert um Altbundespräsident Richard von Weizsäcker

Anlässlich des Todes von Richard von Weizsäcker hat die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) Marianne von Weizsäcker und den Familienangehörigen ihr tief empfundenes Beileid ausgesprochen. Der Altbundespräsident habe als Politiker deutliche Worte gefunden. Seine Aussage „Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander“ sollte angesichts der jüngsten Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland Richtschnur für unsere Gesellschaft sein.

Deutschland verneigt sich dieser Tage vor einer großen Politikerpersönlichkeit. Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) trauert um Altbundespräsident Richard von Weizsäcker. Der Altbundespräsident ist am 31. Januar im Alter von 94 Jahren verstorben.

In einer Mitteilung, die den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegt, spricht die Türkische Gemeinde in Deutschland Frau Marianne von Weizsäcker und den Familienangehörigen ihr tief empfundenes Beileid aus. Richard von Weizsäcker habe mit seiner Rede „zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ vor dem Deutschen Bundestag am 8. Mai 1985 ein Meilenstein für das demokratische, pluralistische Deutschland gesetzt.

Mit seiner Aussage, der 8. Mai 1945 sei kein Tag der Niederlage, sondern ein „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, habe er etwas in einer Deutlichkeit ausgesprochen, wie kein ranghoher Politiker zuvor. Mit diesem Bekenntnis habe Richard von Weizsäcker weltweit Respekt erzeugt, so die TGD.

Richard von Weizsäcker habe mit dem Satz „Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma, der getöteten Homosexuellen, der umgebrachten Geisteskranken, der Menschen, die um ihrer religiösen oder politischen Überzeugung willen sterben mussten“ in aller Deutlichkeit denjenigen eine Absage erteilt, die geneigt waren, unter den Opfern des Nationalsozialismus zu differenzieren.

Richard von Weizsäcker galt vielen als moralische Instanz. Gerade diese Rede fand vor allem im Ausland hohe Anerkennung, so auch die dpa. Der studierte Jurist mahnte darin zu einer bewussten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit: «Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahr.» Tausende Bürger bedankten sich für die kritischen und einfühlsamen Worte schriftlich bei ihrem Staatsoberhaupt. Ausländische Politiker würdigten allseits den Versöhnungscharakter und den Mut zur Bewältigung der Vergangenheit. Der damalige israelische Botschafter in Deutschland, Jitzhak Ben Ari, nannte sie eine «Sternstunde der deutschen Nachkriegsgeschichte». Die Rede wurde in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und in einer Auflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren an die Bundesbürger verteilt. Von Weizsäcker öffnete sie bislang verschlossene Türen. Im Oktober 1985 reiste er als erster Bundespräsident nach Israel.

Die Aussage von Weizsäckers in der Rede vom 8. Mai ,,Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander“, sollte angesichts der jüngsten Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland Richtschnur für unsere Gesellschaft sein, sagt die TGD. „Nicht nur die Bundesrepublik, sondern die Weltgemeinschaft hat einen bedeutenden Menschen verloren“, heißt es abschließend in ihrer Mitteilung.

Der CDU-Politiker war von 1984 bis 1994 sechster Bundespräsident. Er beeinflusste mit vielen wegweisenden Reden das politische Klima in Deutschland nachhaltig. Beim Amtsantritt versprach er, «Präsident aller Bürger» sein zu wollen. Vor der Präsidentenzeit war der in Stuttgart geborene von Weizsäcker Regierender Bürgermeister von Berlin (1981 bis 1984). Von 1969 bis 1981 war der promovierte Jurist Mitglied des Deutschen Bundestages. Zweimal war er Präsident des Evangelischen Kirchentages. Vor der Politik hatte er zunächst in der Wirtschaft Karriere gemacht.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte seinen im In- und Ausland hoch angesehenen Amtsvorgänger als eine «moralische Instanz». Am 11. Februar wird Deutschland mit einem Staatsakt im Berliner Dom Abschied nehmen. Im Schloss Bellevue wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt, in das sich Bürger eintragen können. Am Bonner Amtssitz, der Villa Hammerschmidt, ist das an diesem Montag möglich.

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