Pilot bei lebendigem Leib verbrannt: Warum der IS immer brutaler wird

Mit der Tötung weiterer Geiseln demonstriert der IS seine ganze Grausamkeit. Die Terrormiliz schwankt in Syrien und dem Irak - gegen Rivale Al-Kaida musste daher ein besonders blutiges Statement her.

Der Islamische Staat (IS) konnte nur gewinnen. Vor anderthalb Wochen präsentierte die Terrormiliz neue Videos und Audiobotschaften zweier von ihr gefangener japanischer Geiseln – und tönte, einen seit Heiligabend gefangenen jordanischen Piloten möglichst bestialisch zu ermorden. Die Dschihadisten wollten erst 200 Millionen US-Dollar für das Leben der Japaner, dann die Freilassung einer in Jordanien inhaftierten Topterroristin.

Nun haben die Extremisten binnen weniger Tage alle drei Geiseln getötet – auch Muas al-Kasasba, den jordanischen Piloten. Ein am Dienstagabend im Internet veröffentlichtes Video zeigt, wie der 26-Jährige bei lebendigem Leib verbrannt wird. Der IS konnte Al-Kasasba nicht zu Geld machen, aber die globale Dschihad-Szene mit einer neuen blutigen Geiselshow beglücken.

Die ersten, deren bestialische Enthauptung der IS im Internet zur Schau stellte, waren drei US-Amerikaner und zwei Briten. Hinzu kommen Dutzende Syrer und Iraker, die es nicht in die westlichen Medien schafften. Italienische und spanische Geiseln sollen gegen Lösegeld freigekommen sein. Auch arabische Familien geben Tausende US-Dollar, um entführte Anwälte und Polizisten frei zu bekommen. Das Geiselgeschäft ist für den IS einer der lukrativsten Wirtschaftszweige.

Die mit der Terrorgruppe Al-Kaida in Konkurrenz stehende Miliz hat Publicity nötig, so die dpa. Das Terrornetzwerk und die Newcomer vom IS sind sich seit Monaten Feind. Mit ihrem Vormarsch im Irak und in Syrien im vergangenen Sommer hat der IS die globale Dschihad-Szene beeindruckt – und Hunderte junge Freiwillige für den Kampf im selbst ausgerufenen «Kalifat» begeistern können.

Die Miliz lockt vor allem junge Muslime aus dem Westen mit rasant geschnittenen Videos oder verheißungsvollen Botschaften auf Twitter und Facebook. Mit dem Deutschen Denis Cuspert hat die Propagandaabteilung gar einen ehemaligen Rapper als Zugpferd. Die im Internet verbreiteten Bilder der Islamisten sind eine wilde Mischung aus cooler Aufmüpfigkeit und den realen Zeugnissen ihrer blutigen Taten: Dreadlock-Typen mit abgetrennten Köpfen in ihren Händen.

Die Botschaften von Al-Kaida hingegen wirkten dagegen lange wie aus der Stummfilmzeit: Bärtige Prediger ergehen sich in minutenlangen Belehrungen über das Leben des im Islam verehrten Propheten Mohammed. Als einzige Requisite lehnt eine Kalaschnikow an der Wand.

Doch in den vergangenen Wochen übte sich Al-Kaida an einem Comeback. Während der IS durch die Luftschläge der internationalen Allianz im Irak und in Syrien zunehmend unter Druck gerät, konnte die ebenfalls in Syrien kämpfende Al-Kaida-Tochter Nusra-Front ihren Einfluss vergrößern. Nach Ansicht einiger Experten gelten nun die Al-Kaida-Kämpfer im Vergleich zu den Schlächtern des IS als die Moderaten. Aus Sicht des US-Sicherheitsberaters Soufan Group wird sich der Frieden in Syrien im Guten wie im Schlechten wohl an der Nusra-Front entscheiden.

Mit dem Geiseldrama um den jordanischen Oberleutnant – der erste Pilot der internationalen Anti-IS-Allianz, der in die Hände der Terroristen geriet – wollte der IS eigentlich die in Jordanien inhaftierte Topterroristin Sadschida al-Rischawi freipressen. Die Irakerin kommt aus dem Dunstkreis alter Al-Kaida-Größen. Seit zehn Jahren schmort sie im Gefängnis. Mit Al-Rischawi an ihrer Seite wären die IS-Dschihadisten legitime Erben von Al-Kaida geworden.

Das nun veröffentliche Video mit der Verbrennung des Piloten zeigt, dass die Verhandlungen gescheitert sind. Und erstmals scheint mit dem Verbreiten von Schrecken auch ein militärischer Erfolg einherzugehen. Viele Jordanier fordern von ihrer Regierung, aus der Anti-IS-Allianz auszutreten. Es wäre die beste Propaganda, die sich die Dschihadisten wünschen können.

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