Sorge um Urlaubssaison 2015: Türkische Regierung zahlt russischen Touristen den Treibstoff

Die Türkei gehört zu einem der beliebtesten Reiseziele weltweit. Dennoch muss das Urlaubsland offenbar zu unkonventionellen Methoden greifen, um bestimmte Zielgruppen 2015 an seine Strände zu locken. Jüngste Anreize umfassen nun auch die Übernahme von Kerosinrechnungen russischer und iranischer Airlines.

Die türkische Regierung hat sich wenige Monate vor Start der Haupturlaubssaison über neue Anreize für Reiseveranstalter und Fluggesellschaften beraten. Ziel ist es, die hiesigen Tourismus-Einnahmen trotz der Probleme in den Nachbarländern anzukurbeln. Besondere Sorgen macht der Türkei dabei die Wirtschaftskrise in Russland und die damit einhergehende Abwertung des Rubel.

Bereits in der vergangenen Woche sollen sich die betroffenen türkischen Ministerien zu einem Treffen zusammengefunden haben. Anlass war dem türkischen Premier Ahmet Davutoğlu zufolge ein Rückgang der Frühbuchungen, so die türkische Zeitung Hürriyet. Angekurbelt werden sollen diese nun mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen. „Der Tourismus ist einer der führenden Industriezweige in der Türkei. Doch es scheint so, dass wir in diesem Jahr ernsthafte Probleme im Tourismus bekommen werden“, so Davutoğlu.

Im Rahmen der neuen Maßnahmen sei auch vorgesehen, allen Passagierflugzeugen aus Russland und dem Iran für die kommenden zwei Monate 6000 US-Dollar zu zahlen, um so einen Beitrag zu den Kraftstoffausgaben zu leisten, so das Blatt weiter. Für den Premier eine durchaus sinnige Maßnahme. Er argumentiert: „Auf diese Weise verhindern wir die Stornierung von Flügen.“ Ebenso könnte dadurch etwas Last von den Reiseveranstaltern genommen werden, die überdies großzügige Kredite in Anspruch nehmen könnten.

Für Başaran Ulusoy, Leiter der Vereinigung der türkischen Reisebüros (TÜRSAB), kommt das Maßnahmenpaket zum richtigen Zeitpunkt. Seiner Ansicht nacht helfe diese Unterstützung, den Erwartungen der Branche in einem so unruhigen Zeitraum wie dem aktuellen, nachzukommen. „Eine Unterstützung der Flugzeuge bedeutet gleichzeitig auch eine Unterstützung der Veranstalter“, so Ulusoy. Dies werde einen direkten Einfluss auf die Verbraucherpreise haben. Man habe die Behörden bereits darauf hingewiesen, dass man nun mit Ländern wie Russland und dem Iran auch Abkommen über die Einreise ohne Reisepass bräuchte. Ein Punkt, der in der Branche jedoch umstritten ist. Nicht wenige halten so viel Reisefreiheit aus Sicherheitsgründen für bedenklich.

Die Übernahme von Treibstoff-Rechnungen ist jedoch keine Idee der türkischen Regierung. Bereits Anfang Januar dieses Jahres sprach sich Mehmet Ersoy, Vorsitzender des Reiseveranstalters Etstur, für einen solchen Schritt aus, so die Hürriyet weiter. Er befürwortete eine solche Kostenübernahme bei russischen Flugzeugen, um den für die Türkei so wichtigen Markt nicht zu verlieren. Immerhin: Jedes Jahr kommen rund 4,4 Millionen russische Touristen vor allem in den Süden der Türkei. Dass nun tatsächlich so entschieden wurde, hält Ersoy für einen wichtigen Schritt. Damit könnten rund die Hälfte der Treibstoffkosten eines mittelgroßen Flugzeug für zwei Monate gedeckt werden. Das Problem sei damit allerdings nicht in Gänze gelöst. Sowohl die Fluggesellschaften als auch die Reiseveranstalter müssten nun in die Pflicht genommen werden. So seien es vor allem türkische Büros, die russische Touristen in die Türkei holten. Diese müssten nun ebenfalls ihre Fühler austrecken.

Nach Ansicht des Branchenfachmannes könnte die derzeitige Krise in Europa durchaus neue Möglichkeiten für den türkischen Tourismus eröffnen. Hierzu müssten etwa Airlines die fallenden Treibstoffpreise aber auch an ihre Kunden weitergeben.

Der Umsatz des türkischen Tourismussektors stieg im Jahr 2014 nach Angaben des Türkischen Statistik Instituts (TÜİK) um 6,4 Prozent auf 34,3 Milliarden US-Dollar. Das letzte Quartal dämpfte jedoch den positiven Gesamteindruck. In diesem Zeitraum fielen die Einnahmen auf 7,67 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Insgesamt stieg die Zahl der Türkeiurlauber im Vergleich zu 2013 um 5,6 Prozent. Ganze 41 Millionen Menschen besuchten die Türkei. Rund 86,6 Prozent der Menschen, die das Land besuchten, waren Ausländer. 13,4 Prozent waren türkische Staatsbürger, die im Ausland wohnen.

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