Türkische Wirtschaft: Geldpolitik der EZB lässt Exporte einbrechen

Die türkische Exportwirtschaft strauchelt. Im Januar fielen die Gesamtexporte um fast zehn Prozent. Experten machen hierfür die Geldpolitik der EZB verantwortlich.

Nach Informationen der Vereinigung türkischer Exporteure (TIM) sind die türkischen Gesamtexporte im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,8 Prozent gefallen. In Dollar ausgedrückt, fielen die Exporte von 12 Milliarden Dollar auf 10,8 Milliarden Dollar.

Für Daniel Dombey, den Türkei-Korrespondenten der Financial Times, steht diese Meldung in direkter Verbindung zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): „Diese Zahl verdeutlicht, dass die expansive Geldpolitik der EZB und die damit einhergehende Euroschwäche für die Türkei nichts Gutes bringt.“ Zumal die EU für die Türkei bei weitem der größte Absatzmarkt sei, so Dombey. Dombey räumt in seinem Kommentar in der  Financial Times allerdings ein, dass die am Montag veröffentlichen Zahlen von einer industriellen Vereinigung und nicht vom türkischen Statistikamt kommen. Mit den offiziellen Zahlen könne man erst Ende Februar rechnen.

Die Gründe für den starken Rückgang bei den türkischen Gesamtexporten sind vielfältig: Zunächst einmal gingen die türkischen Exporte in den Irak um 16,5 Prozent zurück. Der Irak ist der zweitgrößte Absatzmarkt für die Türkei. Der Rückgang der Exporte in das Land steht in direktem Zusammenhang mit dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Um ein knappes Drittel (32 Prozent) brachen die Exporte nach Russland ein. Wobei der Einbruch bei den Russland-Exporten als eine direkte Folge der Sanktionen, des Ölpreisverfalls und der wirtschaftlichen Krise in dem Land zu betrachten sind. Und zu allerletzt fielen auch noch die türkischen Exporte nach Afrika um 16 Prozent.

Angesichts dieser vielfältigen Probleme, haben sich die türkischen Exporteure geschickt umorientiert. Die am Montag veröffentlichten Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg bei den Exporten nach Namibia, in den Iran und nach Singapur. Das Exportplus in diesen Ländern habe, so Dombey, aber auch mit den – zeitweise sehr niedrigen – Ausgangswerten in diesen Ländern zu tuen.

Nichtsdestotrotz konnten die höheren Exporte nach Kolumbien und Kenia gerade mal die schwachen Exporte in die EU-Staaten wettmachen. Die Exporte nach Deutschland, dem größten Posten innerhalb der türkischen EU-Exporte, fielen um 12,5 Prozent. Für Daniel Dombey ist die Lage klar: „Das ehemalige Schreckgespenst und die jetzige Realität der expansiven Geldpolitik à la EZB haben den Euro gegenüber der türkischen Lira abgewertet.“ Und das, obwohl die türkische Währung gegenüber dem Dollar ein neues Rekordtief erreicht habe, so Dombey in der Financial Times.

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