Ermutigt „Minecraft“ zu Gewalt? Türkisches Familienministerum leitet Untersuchung gegen Videospiel ein

Das türkische Ministerium für Familie und Sozialpolitik hat eine Untersuchung gegen das Videospiel „Minecraft“ eingeleitet. Die Behörden sind der Ansicht, dass das bekannte Open-World-Spiel Gewalt, insbesondere gegen Frauen, fördere. Die Untersuchung zielt nun darauf ab zu kontrollieren, ob das Spiel tatsächlich Motive enthält, die Gewalt bei seinen Spielern auslösen könnte.

Die türkischen Behörden sorgen ob eines vermeintlich schädlichen Einflusses von „Minecraft“ auf die türkischen Konsumenten. Eine Untersuchung soll nun klären, ob das bis zum Jahr 2014 vom schwedischen Programmierer Markus „Notch“ Persson und dessen Firma Mojang veröffentlichte und weiterentwickelte Videospiel tatsächlich für die User bedenklich sein könnte.

„Minecraft“-Spieler können aus zumeist würfelförmigen Blöcken Konstruktionen in einer 3D-Welt bauen. Darüber hinaus können die User die so erschaffene Welt erkunden, Ressourcen sammeln, gegen Monster antreten und die Blöcke zu anderen Gegenständen weiterverarbeiten.

„Minecraft“ definiert sich hauptsächlich zwei Spielmodi: Einmal den sogenannten Überlebensmodus, in dem der Spieler Ressourcen sammeln und Waffen herstellen muss und eine Gesundheitsleiste hat. Wenn der Spieler nicht überlebt und in einer der Ebenen stirbt, muss er oder sie wieder von vorne anfangen. Auf der anderen Seite gibt es den Kreativ-Modus, in dem es keine Gesundheit gibt und dem Spieler unbegrenzte Mengen an Ressourcen zur Verfügung stehen. Das Game wurde Ende September 2014 für 2,5 Milliarden Dollar von Microsoft übernommen.

Die Palette der Monster, die der Spieler bekämpfen muss, um weiter zu kommen, sind Zombies, Skelette, Spinnen, Hexen, Riesen, Drachen, Wächter und Killer-Hasen“, zählt die türkische Zeitung Hürriyet auf. In den höheren Ebenen des Spiels müsse der User dann Frauen, Verbündete und sogar Freunde töten, um zu überleben.

Anlass für die nun eingeleitete Untersuchung seien die zahlreichen Beschwerden gewesen, die an das Ministerium herangetragen worden seien. Dabei sei es vor allem um die Gewalt gegen Frauen gegangen. Falls die Untersuchung des Ministeriums zu dem Ergebnis kommt, dass das Spiel Gewalt fördere, werde von der Behörde Klage gegen das Spiel erhoben, um ein landesweites Verbot zu erwirken.

Diskussionen über vermeintlich gewalttätige Elemente in „Minecraft“ gibt es nicht nur in der Türkei. Auch in den USA flammen derartige Debatten immer wieder auf. Angeheizt wurde diese etwa im Jahr 2013 durch den Fall eines neunjährigen Jungen aus Florida, der das Spiel nachahmen und Messer, einen Hammer und eine Waffe mit in die Schule genommen hatte – eben wie seine Videospiel-Helden. Der Schüler wurde daraufhin zu Hausarrest verurteilt. Auf der anderen Seite setzte übrigens im gleichen Jahr eine schwedische Schule auf das Spiel als Unterrichtsinstrument, um die Kreativität der Schüler zu fördern, berichtete WinFuture.

Eine Studie des amerikanischen Psychologen Dr. Christoph Ferguson von der Texas A&M Internationl University legte jedoch bereits 2011 einen positiven Einfluss von  so genannten Killerspielen nahe, so das Fachblatt Chip. Junge Erwachsene, die Gewaltspiele spielten, könnten den Wissenschaftlern zufolge besser mit Stress umgehen und reagierten weniger depressiv und aggressiv auf frustrierende Aufgaben. Für die Studie seien die 103 Probanden mit einem PASAT-Test (Progressiver Auditiver Serieller Additions-Test) konfrontiert worden. Einen Zusammenhang zwischen Gewalt in Computerspielen und Gewalt im realen Leben habe der Psychologe nicht feststellen können.

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