„Wir sind da, wir sind deutsch, wir wollen mitentscheiden“

Auf dem ersten deutschen Bundeskongress der „Neuen Deutschen Organisationen" trafen sich am Wochenende rund 80 Initiativen in Berlin. Die „Neuen Deutschen" wollen in die öffentlichen Debatten miteinbezogen werden. Und fordern das Grundrecht auf Religionsfreiheit ein.

 

Manchmal passiert das: Jemand hat dunkle Haare, dunkle Haut oder einen exotisch klingenden Namen und wird gefragt: „Wo kommst du her?“ Wenn die betreffende Person dann antwortet: „Ich komme aus dem Schwarzwald oder aus Norddeutschland“, dann entsteht manchmal ein Schweigen. Mit dieser Anekdote begann Ferda Ataman von den Neuen Deutschen Medienmachern die heutige Pressekonferenz zum ersten Bundeskongress der „Neuen Deutschen Organisationen“. Was sind diese „Neuen Deutschen Organisationen“? Das sind Initiativen, die von Menschen der zweiten und dritten Einwanderergeneration angestoßen wurden. Sie heißen DeutschPlus, JUMA-Jung, Muslimisch, Aktiv oder Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Gemeinsam haben sie alle, dass sie sich nicht über ihren Migrationshintergrund definieren. Deutsche und Neu-Deutsche arbeiten hier zusammen, so Ferda Ataman.

Für Ataman knüpfen die „Neuen Deutschen Organisationen“ an die jahrzehntelange Arbeit von Migrantenselbstorganisationen und Ausländerbeiräten an, doch sie unterscheiden sich in zwei Punkten: „Sie betonen ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft bereits im Namen und definieren sich nicht mehr ethnisch.“ Gemeinsam haben in Berlin am vergangenen Wochenende rund 180 Teilnehmer dieser Initiativen über ein Umdenken in der Integrationspolitik diskutiert. Integrationspolitik müsse alle Teile der Gesellschaft anvisieren, nicht nur die Menschen mit Migrationshintergrund, sagte Ferda Ataman.

Wenn man einen Satz auf diesem Bundeskongress besonders oft gehört habe, dann war das „Auch wir sind das Volk“, sagte Fahrid Dilmaghani von der Initiative DeutschPlus. Öffentliche Debatten über das Einwanderungsland Deutschland würden jedoch immer wieder ohne Menschen mit Migrationshintergrund geführt. Bei Günther Jauch hätte man erst kürzlich über Pegida und die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes diskutiert. Die Menschen, um die es in dieser Diskussion aber eigentlich ging, seien nicht eingeladen gewesen, so der Geschäftsführer von DeutschPlus.

Leila Younes El-Amaire von „Juma – Jung, Muslimisch, Aktiv“ kritisierte die öffentliche Diskussion über die Frage ob der Islam nun zu Deutschland gehöre, oder nicht: „Egal ob man findet, der Islam gehört zu Deutschland oder nicht – Fakt ist: Die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland.“ Muslime würden in der Öffentlichkeit immer noch negativ wahrgenommen. Bestes Beispiel hierfür seien Frauen mit Kopftuch. Hier sei es beispielsweise mit dem Berliner Kopftuchverbot zu einer regelrechten Stigmatisierung gekommen. „Man müsse positive Vorbilder“ schaffen, Frauen mit Kopftuch sollten sichtbarer werden, so Younes El-Amaire.

Gerade die Medien wurden auf der Pressekonferenz vom Montag kritisiert. Ausdrücke wie „Fremdenfeindlichkeit“ oder „islamkritische Bewegung“, die Journalisten immer wieder verwenden, seien nicht wertfrei. Da waren sich die Vertreter der Migrantenorganisationen einig. Aus diesem Grund haben die „Neuen deutschen Medienmacher“ auch ein Glossar mit Formulierungshilfen veröffentlicht. „Die deutsche Gesellschaft ist bunter geworden, das solle sich auch in der Berichterstattung wiederfinden“, kann man in diesem Glossar lesen.

Anlässlich der Vorstellung des 10. „Berichtes zur Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland“ hatte die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoğuz Ende des vergangenen Jahres bereits auf die nach wie vor bestehenden Missstände in Deutschland hingewiesen. Die Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, haben viele lange nicht wahrhaben wollen. Die Folge: Auch deshalb müssen Menschen mit ausländischen Wurzeln hierzulande mit vielen Problemen kämpfen (mehr hier).

Der Migrationsforscher Klaus J. Bade schreibt im Jahresgutachten des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) über die sogenannte Kulturangst vieler Menschen im Einwanderungsland Deutschland. Kulturangst, das sei „die Angst vor einer Gefährdung der eigenen ‚kulturellen‘ Werte, Normen und Lebensformen oder dessen, was man jeweils darunter versteht, durch als fremd empfundene ‚kulturelle‘ Wertvorstellungen und Lebensformen oder das, was man jeweils dafür hält“ (mehr hier).

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