65. Berlinale: Wim Wenders stellt die entscheidenden Fragen

Der Höhepunkt des sechsten Tages der diesjährigen Berlinale war eindeutig Wim Wenders Werk "Every Thing Will Be Fine". Es ist der erste Spielfilm des Meisters in 3D. Nach seiner Tanzfilm-Doku "Pina" steht nun wieder ein Künstler im Mittelpunkt. Eine Geschichte, die sich melanchonisch, gefühlsvoll und bewegend gibt.

„Es ist ein Männerfilm, ein Künstlerporträt und ein existenzielles Drama um Schuld, Vergebung und Trauer“, schreibt die Presse über Wim Wenders zweiten Versuch in 3D, „Every Thing Will Be Fine“. Sein Werk sei eine sensibel erzählte Geschichte, die am Ende jedoch auch als gutes Beispiel für einen schlecht gemachten 3D-Film in Erinnerung bleiben könnte.

Wenders erzählt uns die Geschichte von Tomas, dem Schriftsteller, der an einem Winterabend eine Landstraße entlang fährt. Er hatte einen Streit mit seiner Freundin Sarah, gespielt von Rachel McAdams. Es schneit, die Sicht ist schlecht. Plötzlich, wie aus dem Nichts kommt ein Schlitten einen Hügel heruntergeglitten. Tomas legt eine Vollbremsung hin, der Wagen kommt zum Stand. Stille.

Den Schriftsteller trifft keine Schuld an diesem tragischen Unfall, ebenso wie den kleinen Christopher, der besser auf seinen Bruder hätte aufpassen können, oder Kate (Charlotte Gainsbourg), die Mutter der beiden, die die Kinder früher hätte ins Haus rufen sollen …

Tomas fällt in ein tiefes Loch. Die Beziehung zu seiner Freundin Sara zerbricht an der Belastung. Er rettet sich in sein Schreiben. Aber darf er dazu Erfahrungen verarbeiten, die das Leiden anderer einbeziehen?

Der Film folgt über zwölf Jahre seinem Versuch, dem Leben wieder einen Sinn zu geben und eine eigene Familie aufzubauen. Genauso folgt er auch Kate und Christopher (Robert Naylor), bis der 17 Jahre alt ist und sich entschließt, diesen Fremden wiederzusehen, den er nur einmal, an jenem verhängnisvollen Abend, getroffen hat.

Nach einem Originaldrehbuch des Norwegers Bjorn Olaf Johannessen dreht Wim Wenders diesen melanchonischen, gefühlsvollen, bewegenden Film. „Every Thing Will Be Fine“ erzählt auf vorsichtige und genaue Weise von Schuld und der Suche nach Vergebung, und davon, dass es nicht die Zeit ist, die Wunden heilt, sondern vor allem der Mut, die Wahrheit ins Auge zu sehen und sich zu stellen. Und sich selber zu verzeihen, zu versöhnen.

Der Fim läuft im Außer Konkurrenz.

Auf der Pressekonferenz war Wim Wenders gemeinsam mit Robert Naylor, der
Schauspielerin Marie-Joseee Croze, James Franco und Charlotte Gainsbourg erschienen. „Every Thing will be fine“ das klinge Wenders zufolge wie ein Traum, wie ein Märchen. Der Film zeige ein Prozess der Heilung in der heutigen Welt. Wie könnten Wunden heilen, ein Trauma überwunden werden und welche Verantwortung habe man? Das seien die zentralen Fragen. Tomas habe eine Verantwortung für diese Familie, die er gar nicht kennt und dabei habe er vor, eine eigene Familie aufzubauen. Doch sie zeige ihm auch, wie er heilen könne. „Kate lädt ihn zu sich ein, damit er sich selbst verzeiht“, so Wenders, der einen Ehrenbären für sein Lebenswerk entgegen nehmen konnte.

Kamuran Egri

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