Neuer Studiengang an der Popakademie Baden-Württemberg: „Aus traditioneller und populärer Musik soll etwas Neues entstehen“

An der renommierten Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim kann man schon bald das Fach Weltmusik belegen. In dem neuen Studiengang werden Studierende gleichermaßen traditionelle Musik aus dem türkischen Kulturraum wie populäre Musik studieren. Die Deutsch Türkische Nachrichten sprachen mit dem künstlerischen Leiter der Popakademie Baden-Württemberg, Prof. Udo Dahmen.

Deutsch Türkische Nachrichten: Welches Zeichen möchten sie mit dem neuen Zentrum für Weltmusik an der Popakademie in Mannheim in Zeiten von Islamangst und Pegida setzen?

Prof. Udo Dahmen: Wir setzen uns seit vielen Jahren für ein derartiges Zentrum ein. Der Hintergrund hierfür ist zum einen der Integrationsgedanke. In unserer Region machen wir bereits viele Musikprojekte mit Schülern. Die haben zu einem großen Anteil einen Migrationshintergrund. Zum anderen geht es uns auch um die unterschiedlichen Weltmusiken. Wir versuchen diese unterschiedlichen Musikkulturen in unserem neuen Zentrum für Weltmusik zu integrieren. Dabei hilft natürlich sehr, dass wir schon seit geraumer Zeit mit dem Zentrum für orientalische Musik hier in Mannheim zusammenarbeiten.

Deutsch Türkische Nachrichten: Was ist der Ursprungsgedanke des neuen Zentrums?

Prof. Udo Dahmen: Der Ursprungsgedanke ist die Transkulturalität. Es geht uns vor allem darum, dass traditionelle und populäre Musik sich gegenseitig befruchten und etwas Neues entsteht.

Deutsch Türkische Nachrichten: Wenn heute im Radio World-Music gespielt wird, was hört man dann eigentlich?

Prof. Udo Dahmen: World-Music ist eigentlich nur der Dachbegriff. Es handelt sich bei der World-Music grundsätzlich zunächst um Musik, die ihren Ursprung nicht in Europa hat. Aber wie zum Beispiel bei der kubanischen Musik, hat diese Musik oft schon einen Transformationsprozess durchlaufen. Und hat sich mit populärer Musik, wie beispielsweise dem Jazz vermischt. Das gilt genauso für die südamerikanische Salsa. World-Music ist also eine Mischform von traditioneller und populärer Musik.

Deutsch Türkische Nachrichten: Es besteht eine besondere Verbindung des neuen Zentrums für Weltmusik zu traditioneller türkischer Musik. Inwieweit ist das neu eingerichtete Zentrum für Welt Musik an der Popakademie Baden-Württemberg auf den deutsch-türkischen Kulturkreis ausgerichtet?

Prof. Udo Dahmen: Die Verbindung, die das neue Zentrum für Weltmusik an der der Pop-Akademie Mannheim zum deutsch-türkischen Kulturkreis hat ist zunächst einmal eine ganze Praktische. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine so große türkische Community wie in Deutschland. Auch in Mannheim leben sehr viele Menschen mit türkischen Wurzeln. So kommt es auch, dass wir bereits seit Jahren mit der orientalischen Musikakademie hier in Mannheim zusammenarbeiten. Da hatten wir viele Türen bereits aufgestoßen. Mit der besonderen Ausrichtung auf den deutsch-türkischen Kulturkreis geht es uns allerdings in erster Linie um eine gegenseitige Befruchtung: Aus traditioneller und populärer Musik soll etwas Neues entstehen.

Deutsch Türkische Nachrichten: Was ist das Besondere an traditioneller orientalischer Musik?

Prof. Udo Dahmen: Das Besondere an traditioneller orientalischer Musik sind vor allen Dingen ihre rhythmischen Möglichkeiten. Und ihre Vielfältigkeit: Musik aus dem Nahen Osten unterscheidet sich von Region zu Region und von Glaubensrichtung zu Glaubensrichtung. Die traditionelle Musik aus Anatolien ist unterschiedlich zu den Traditionen z.B. der osmanischen klassischen Musik.

Deutsch Türkische Nachrichten: Welche Instrumente aus dem türkisch-arabischen Raum sollen in den neuen Studiengang integriert werden?

Prof. Udo Dahmen: In dem neuen Zentrum für Weltmusik werden die Studenten als Hauptfächer Oud, Baglama und türkisch-arabische Percussion studieren können.

Deutsch Türkische Nachrichten: Sind irgendwelche internationale Kooperationen mit anderen Musikhochschulen geplant?

Prof. Udo Dahmen: Ja, die sind in der Tat geplant. Da einer unserer Weltmusik-Dozenten von der Codarts in Rotterdam kommt, der einzigen anderen europäischen Musikhochschule mit Weltmusik im Studienangebot, besteht sowieso schon eine Verbindung. Außerdem befinden wir uns in Gesprächen mit Vertretern der Universität Istanbul. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Mannheim schon seit 2011 eine türkische Partnerstadt hat, nämlich Beyoğlu. Da bestehen sowieso enge Kontakte.

Deutsch Türkische Nachrichten: Wieviele Studenten erwarten sie in dem neuen Studiengang?

Prof. Udo Dahmen: Im ersten Jahr erwarten wir 12 Studenten, nach drei Jahren wird die Studentenzahl, dann 36 erreichen. Am Anfang werden wir aber pro Instrument erst mal vier Studenten zulassen.

Deutsch Türkische Nachrichten: Können Sie etwas über die Lehrinhalte sagen?

Prof. Udo Dahmen: Neben den Hauptfächern Oud, Baglama und türkisch-arabische Percussion werden die Studenten bei uns die Geschichte der türkisch/arabischen Musik und die Theorie und Geschichte der populären Musik studieren. Wir werden aber genauso Grundlagen der Pädagogik und des Musikbusiness vermitteln. Neben den traditionellen Instrumenten werden die Studenten bei uns auch die Fächer Klavier und Gitarre belegen.

Deutsch Türkische Nachrichten: Wo sehen sie die zukünftigen Absolventen des neuen Studiengangs?

Prof. Udo Dahmen: Wir sehen die Absolventen unseres neuen Studiengangs in vier Bereichen: Zunächst einmal als freischaffende Solo-Künstler, dann aber auch als Ensemble-Mitglieder im Crossover, also in der Kombination verschiedener Musikstile. Ein wichtiges zukünftiges Betätigungsfeld unserer Studenten wird zweifellos das Unterrichten sein. Darauf legen wir auch in der Ausbildung ganz besonderen Wert. Und zu guter Letzt sehen wir unsere Studenten natürlich auch als Unternehmer im Musikbusiness.

Deutsch Türkische Nachrichten: Prof. Dahmen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Für den neuen Studiengang Weltmusik können sich Interessierte noch bis zum 30. April bei der Pop-Akademie Baden-Württemberg bewerben.

Zur Person: Udo Dahmen studierte Klassisches Schlagzeug in Aachen, Köln und Paris und spielte als Schlagzeuger mit zahlreichen Bands und Künstlern. Er ist Mitbegründer der Pop-Akademie Baden-Württemberg. Deren Künstlerischer Direktor und Geschäftsführer er auch heute ist. Außerdem ist Udo Dahmen Vizepräsident des Deutschen Musikrates, Präsident des deutschen Schlagzeugerverbandes „Percussion Creativ e.V.“, Kuratoriumsvorsitzender der Emil-Berliner-Stiftung und Kuratoriumsmitglied der Deutschen Phonoakademie.

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