Neue Konzerthalle für Erdoğan: Teil des Präsidentenpalastes nicht benutzbar

Kaum ist der neue Präsidentenpalast bezogen, könnten einigen Teilen schon wieder Umbaumaßnahmen blühen. Offenbar hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Modifkation eines Komplexes angeordnet, um dort künftig Konzerte und ähnliche Veranstaltungen abhalten zu können. Fachleute suchen derweil nach einer kostengünstigen und weniger radikalen Lösung, um diesen Wünschen zu entsprechen.

Der Hof des neuen türkischen Präsidentenpalasts in der Nacht. (Screenshot via Youtube)

Der Hof des neuen türkischen Präsidentenpalasts in der Nacht. (Screenshot via Youtube)

Obschon der neue türkische Präsidentenpalast bereits im vergangenen Jahr bezogen wurde, sind die Arbeiten an dem umstrittenen Mega-Bau nach wie vor in vollem Gange. Noch nicht einmal abgeschlossen, droht dem Palast nun offenbar schon die erste Umbaumaßnahme und obendrein vielleicht sogar Ärger mit den Mitarbeitern.

Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, soll Präsident Erdoğan den Abriss einer der beiden Blöcke des Kongresszentrums im Präsidentenkomplex angeordnet haben. Der Grund: Ingenieure und Architekten hatten erklärt, dass es in diesem Gebäude nicht möglich wäre, dem Wunsch des Präsidenten zu folgen und hier Konzerte zu veranstalten. Das Dilemma: Erdoğan hatte sein Anliegen erst nach der Genehmigung des Plans vorgebracht, so die türkische Zeitung Evrensel. Nun solle Schadensbegrenzung betrieben werden. Die zuständigen Ingenieure und Architekten seien derzeit noch auf der Suche nach anderen Möglichkeiten, damit das Gebäude zum Konzertsaal werden könnte, ohne, dass teure Umbau- oder gar Abriss-Maßnahmen vorgenommen werden müssten.

Das Kongresszentrum sowie eine Moschee seien nahezu abgeschlossen. Ein Pferdestall, der auch in dem ursprünglichen Plan nicht eingetragen war, werde voraussichtlich in Kürze gebaut werden, heißt es weiter.

Unterdessen könnte weiterer Ärger drohen. So soll ein führender Architekt in Ankara behaupten, dass die Mitarbeiter des neuen Präsidentschaftskomplexes riskieren würden, bald am so genanntenSick Building Syndrom(SBS) zu leiden. „Die Mitarbeiter des Palastes könnten aufgrund einer Fläche von dichtem Magnetismus sowohl physisch als auch psychisch unter dem Sick Building Syndrom leiden“, zitiert die Hürriyet Tezcan Karakuş Candan, den lokalen Chef der Kammer der Architekten und Ingenieure (TMMOB). „Bäume, die im Komplex gepflanzt wurden, sterben ab. 3.000 davon wurden bereits gefällt.“

SBS ist eine Krankheit, die Arbeitnehmer in Bürogebäuden betrifft. Sie ist gekennzeichnet durch Symptome wie Hautreizungen, Kopfschmerzen und Atembeschwerden. Ob der Architekt mit seinen Befürchtungen Recht behält, ist allerdings fraglich: „(…) die Ursachen für das Auftreten des SBS (sind) nicht klar. Vermutete Zusammenhänge mit einer erhöhten Schadstoffkonzentration am Arbeitsplatz und dem Auftreten der Beschwerden konnten nicht bestätigt werden. Damit muss das SBS klar von der Building Related Illness (BRI) unterschieden werden, bei der zum Beispiel allergene, mikrobielle oder chemische Belastungen nachweisbare Ursachen für die Entwicklung gebäudebezogener Erkrankungen sind”, so das deutsche Umweltbundesamt. Zusammenfassend hätten die Studien gezeigt, dass persönliche Faktoren und Empfindungen der Betroffenen, ihre Tätigkeit und die Benutzerfreundlichkeit ihres Arbeitsplatzes oft entscheidender für das Auftreten des Sick-Building-Syndroms gewesen wären, als die Einflüsse des Bürogebäudes.

Auf dem Areal wurden dem Blatt zufolge mehrere Störsender sowie rund 3.000 Überwachungskameras installiert. Das Büro der Kammer der Elektrotechniker in Ankara habee zuvor bekannt gegeben, dass 50 Aufzüge gebaut worden seien, 20 weitere seien für einen Gesamtbetrag von 17,5 Millionen türkische Lira, umgerechnet sieben Millionen Dollar, zuzüglich Mehrwertsteuer geplant.

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