„Gott“ statt „Allah“: Türkische Medienaufsicht mahnt Privatsender wegen falscher Wortwahl ab

Der Hohe Rat für Radio und Fernsehen (RTÜK) hat einen türkischen Privatsender für seine Wortwahl in der Synchronisation einer ausländischen Serie abgemahnt. Verwendet wurde dort „Gott“ anstatt „Allah“. Erneut wird mit vermeintlich negativen Auswirkungen auf die Kinder argumentiert.

Bereits in der Vergangenheit hat sich der Hohe Rat für Radio und Fernsehen in vermeintliche Nichtigkeiten eingeschaltet. Mal waren es Themen, mal bestimmte Szenen oder auch eindeutige Handlungen, die die selbsternannten Sittenwächter auf den Plan riefen. Geldstrafen und Abmahnungen wurden dabei nicht selten mit einem Totschlagargument belegt: Dies alles geschehe aus Sorge um die Kleinen im Land.

Auch der aktuelle Fall gestaltet sich derart: Der Hohe Rat für Radio und Fernsehen (RTÜK) begründete seinen Unmut damit, dass die Türkei ein muslimisches Land sei. Solche Ausdrücke könnten „die Wahrnehmung Allahs durch die Kinder“ negativ beeinflussen. In einem Mehrheitsbeschluss wurde daher festgelegt, den privaten TV-Sender TV2 entsprechend zu verwarnen.

Die Dialoge in einer Szene von „Les Femmes Vous / Frauen!“ („Ah Biz Kadınlar“), einer französischen TV-Show, die am 28. Januar ausgestrahlt wurde, beleidigten die nationalen und sentimentalen Werte der Gesellschaft, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet aus der Begründung von RTÜK. Fast die gesamte türkische Gesellschaft besteht aus Muslimen. In muslimischen Gesellschaften ist Allah der einzige. (…) Auch, wenn es sich nicht um eine lokale Produktion handelt, könnten mit solchen Äußerungen in der Türkei während des Tages, wenn sie von Kinder gesehen werden können, deren Wahrnehmung von Allah negativ beeinflusst werden.“

Es ist nicht das erste Mal, dass RTÜK den Sender TV2 im Visier hat. Schon einmal nahm die Medienaufsicht hier Anstoß an einem anderen Dialog in der gleichen Serie mit Judith Siboni und Olivia Côte. Damals ging es um zwei Frauen, die über den Erdbeergeschmack von Kondomen sprachen.

Für Aufsehen sorgte 2012 die hohe Geldstrafe für einen türkischen Sender, der eine bestimmte Folge der beliebten US-Serie „Die Simpsons“ ausgestrahlt hatte. Dem Privatsender CNBC-E war damals eine Strafe in Höhe von fast 23.000 Euro aufgebrummt worden, weil er die Halloween-Episode „Treehouse of Horror XXII“ inklusive der Geschichte „Dial D for Diddly“ gesendet hatte. Davut Dursun, Vorsitzender des Obersten Rates für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) erklärte hierzu, dass die Strafe nichts mit der fragwürdigen Darstellung von Gott als Diener des Teufels zu tun gehabt hätte. Vielmehr sei dieser Schritt ganz klar zum Schutz von Kindern gedacht gewesen.

Der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) begründete seine Strafe gegen den Privatsender CNBC-E damit, dass sich in der besagten Folge über Gott lustig gemacht werde, sie junge Menschen zu Gewalt ermutige, indem sie Morde als Teil von Gottes Ordnung darstelle und obendrein dazu auffordere am Silvesterabend Alkohol zu trinken (mehr hier).

Erst im Frühjahr vergangenen Jahres geriet das Werk zweier internationaler Superstars in die Kritik. Ins Visier der konservativen Medienaufsicht waren die beiden Sängerinnen Shakira und Rihanna geraten. Der Vorwurf von RTÜK: Ihr gemeinsames Musikvideo evoziere Homosexualität. In seinem Urteil beschrieb der RTÜK den Inhalt des Videos mit aufwendigen Details. Gleich mehrfach werde wiederholt, dass die Szenen „auf einem Bett“ stattfinden würden. Diese Bildung, so die dort herrschende Auffassung, würden ein negatives Beispiel für Kinder abgeben (mehr hier).

Auch Ende 2013 spielte der RTÜK den Sittenwächter. Damals ging es um die türkische Version der US-Erfolgsserie „Desperate Housewives“. Die Medienaufsicht strafte „Umutsuz Ev Kadınları“ ab, weil es in einer Szene zu sexuellen Anspielungen gekommen sein soll. Auch hier wurde argumentiert, das Ganze sei „schädlich für Kinder“ und zudem eine „unpassende Sexualerziehung“ (mehr hier).

In die moralischen Schranken verwiesen wurden auch die Drehbuchautoren einer türkischen Serie. So mussten die Protagonisten Zeynep und Ozan aus der beliebten türkischen TV-Serie „1 Erkek 1 Kadın” heiraten, weil das Konzept der wilden Ehe nicht in das Bild der Medienaufsicht passte (mehr hier).

Lange dürfte sich die Argumentation „Schutz der Kinder“ jedoch nicht mehr aufrecht erhalten lassen. Denn der türkische Nachwuchs verbringt mittlerweile mehr Zeit mit seinen Mobiltelefonen als vor den Fernsehgeräten. Das hat ausgerechnet eine vom Obersten Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) in Auftrag gegebene Untersuchung gezeigt, in der eine Verschiebung weg vom TV in Richtung mobiler Kommunikation und Internet bei den jungen Leuten deutlich wurde (mehr hier).

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