Prügelopfer Tuğçe: Tatverdächtiger bleibt im Gefängnis

Der tatverdächtige Schläger im Fall Tuğçe Albayrak bleibt in Untersuchungshaft. Bei einem Termin am Freitag vor dem Landgericht Darmstadt hätten die Verteidiger des 18 Jahre alten Sanel M. den Haftprüfungsantrag zurückgenommen, teilte das Gericht mit. Eine Entscheidung darüber sei deshalb nicht mehr erforderlich gewesen.

Tuğçes Familie sah dem Termin mit Sorge entgegen. Sie fürchteten Fluchtgefahr. (Screenshot change.org)

Der Anwalt von Tuğçes Familie sieht dem Termin in der nächsten Woche mit Sorge entgegen. Beim Tatverdächtigen besteht seiner Ansicht nach Fluchtgefahr. (Screenshot change.org)

Der Haftbefehl bleibe mit dem nunmehr angeklagten Vorwurf Körperverletzung mit Todesfolge aufrechterhalten, so das Gericht. Er sei auch nicht außer Vollzug gesetzt worden.

Sanel M. soll die junge Frau Mitte November in Offenbach vor einem Schnellrestaurant niedergeschlagen haben. Die Lehramtsstudentin schlug mit dem Kopf so hart auf dem Boden auf, dass sie ins Koma fiel. Knapp zwei Wochen später, an ihrem 23. Geburtstag, wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet.

Wann der Prozess vor einer Jugendstrafkammer in Darmstadt beginnt, ist noch unklar. Beobachter rechnen damit, dass er im April losgehen könnte, so die dpa.

Ende Januar hatte der Tatverdächtige im Fall Tuğçe Albayrak seine Entlassung aus der Untersuchungshaft beantragt. Der Anwalt von Tuğçes Familie sah diesen Schritt mit Sorge. Er befürchtete Fluchtgefahr. «Wir gehen davon aus, dass er jede Gelegenheit nutzen wird, sich dem Verfahren zu entziehen», sagte Macit Karaahmetoglu damals der dpa.

Wer in Untersuchungshaft sitzt, kann jederzeit einen Haftprüfungstermin beantragen. Im aktuellen Fall haben die Verteidiger des mutmaßlichen Täters den Antrag jedoch zurückgenommen, er bleibt in Untersuchungshaft. Worum es geht:

Untersuchungshaft: Sie soll den Prozess gegen den Verdächtigen grundsätzlich ermöglichen. Die U-Haft ist nur zulässig, wenn ein dringender Tatverdacht besteht und ein Haftgrund vorliegt. Sie darf nur so lange dauern, wie ihre Voraussetzungen vorliegen und die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt. Sie sollte sechs Monate nicht überschreiten. Die U-Haft ist keine Strafe und wird bei einer späteren Verurteilung auf die noch abzusitzende Zeit angerechnet.

Haftgründe: Der wichtigste Haftgrund ist Fluchtgefahr. Ein weiterer Grund ist unter anderem Verdunkelungsgefahr, wenn etwa zu befürchten ist, dass der Beschuldigte Beweismittel vernichten oder Zeugen beeinflussen könnte.

Haftprüfung: Während der U-Haft kann der Betroffene jederzeit eine Haftprüfung beantragen. Nach drei Monaten U-Haft wird sie automatisch eingeleitet, wenn die Haftprüfung bis dahin nicht beantragt wurde. Der Ermittlungsrichter entscheidet, ob die Haft weiterbesteht, der Haftbefehl aufgehoben oder außer Vollzug gesetzt wird.

Haftaussetzung: Der Haftbefehl bleibt zwar bestehen, der Beschuldigte kommt jedoch unter bestimmten Auflagen frei. Dazu gehört meist, dass er sich regelmäßig bei der Polizei melden muss, seinen Wohnort nicht ohne Erlaubnis verlassen oder mit bestimmten Personen nicht in Kontakt treten darf. Auch eine Kaution kommt in Betracht.

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