65. Berlinale: Der deutschen Geschichte auf der Spur

Im Mittelpunkt des achten Berlinale-Tages stand der deutsche Film "Elser / 13 Minutes". Erzählt wird ein Stück wahre deutsche Geschichte. Alles dreht sich um einen Schwaben, der beinahe den Verlauf des Zweiten Weltkriegs änderte.

Der achte Tag der Berlinale lässt das Publikum tief in die deutsche Geschichte eintauchen. Denn: Es fehlten nur 13 Minuten, und der Schreiner Georg Elser alias Christian Friedel hätte die Weltgeschichte für immer verändert. Am 8. November 1939 platzierte er hinter dem Rednerpult Adolf Hitlers im Münchner Bürgerbräu-Keller eine Bombe. Doch der „Führer“ verließ den Tagungsort früher als geplant und überlebte so das Attentat, das möglicherweise zum vorzeitigen Ende des Zweiten Weltkriegs geführt hätte.

Oliver Hirschbiegel, der bereits in „Der Untergang“ die letzten Tage der verbrecherischen NS-Diktatur nachgezeichnet hat, beleuchtet im aktuellen Berlinale-Beitrag die Hintergründe der mutigen Tat und setzt dem „kleinen Schorsch“ von der Schwäbischen Alb ein Denkmal.

„Der Film rekonstruiert soziale und politische Zusammenhänge der Zeit nach 1933, in denen sich das nationalsozialistische“Gedankengut auch in Elsers Heimatdorf festsetzte und das Zusammenleben vergiftete“, fasst das Berlinale-Programm zusammen. Zugleich beleuchte er das Verhältnis zwischen Elser und dem Kripochef im Reichssicherheitshauptamt Arthur Nebe (Burghart Klaußner), der von der Gestapo angewiesen wurde, die vermeintlichen Hintermänner zu entlarven. Die Erinnerung an das Mädchen Elsa, gespielt von Katharina Schüttler, seine große Liebe, die nichts von seinen Plänen wissen durfte, gibt Elser die Kraft, auch im Angesicht des Todes Zivilcourage und Humanität zu bewahren.

Ein höchst beeindruckendes und packendes Geschichtsdrama, das unter die Haut geht. Von Regisseur Oliver Hirschbiegel hervorragend ins Szene gesetzt und meisterlich verfilmt. Dazu überzeugend tolle Schauspieler wie Christian Friedel, der sensationell die Rolle des Elsers spielt.

Auf der Pessekonferenz erzählte Regisseur Oliver Hirschbiegel: „Mir war es wichtig, diese Praxis so ausführlich zu schildern, weil heute über Folter in einer Art und Weise gesprochen wird, die sehr abstrakt ist. Niemand weiß, was heißt das eigentlich, was macht das einem Menschen? Das ist nicht nur der Schmerz, der einem zugefügt wird, sondern auch die Erniedrigung, die absolute Degradierung zum Tier. In der Filmgeschichte gibt es extrem wenige Beispiele, in denen das dargestellt wird. Für mich war es auch wichtig, dieses Ländliche, schöne Völkische zu zeigen. Für mich ist das ein Heimatfilm, ein Geschichtsfilm und eine schöne Liebesgeschichte.“

In Anbetracht der aktuellen Pegida-Bewegung in Deutschland erklärte der Hauptdarsteller Folgendes: „Ich lebe in Dresden (…). Mir ging es in Dresden schon so, dass mir die Nackenhaare hochstehen, wenn ich diese Bewegung dort sehe. Ich kann einerseits diesen Ärger verstehen, aber ich finde es gefährlich, dass sich dort die rechten Tendenzen mit hineinmischen. Deswegen finde ich toll, dass dieser Film zu diesem Zeitpunkt in die Kinos kommt. Uns ist wichtig, dass jeder Mensch ein politischer Mensch ist und jeder Mensch ein Bewusstsein haben muss für was er seine Stimme einsetzt und das zu zeigen und nicht die Augen zu verschließen. Nämlich dass Georg Elsa die Augen geöffnet hat und aus dem Bauch heraus gehandelt hat“, so Christian Friedel.

Der Film „Elser / 13 Minutes“ läuft außer Konkurrenz:

Kamuran Egri

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.