Mord an drei Muslimen: Obama verspricht Untersuchung

Erst vier Tage nach der Tötung von drei muslimischen Studenten in der Stadt Chapel Hill im US-Bundesstaat North Carolina hat Präsident Barack Obama sich zu Wort gemeldet und eine Untersuchung des Falls versprochen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte ihn zuvor dazu aufgefordert, den Mord zu verurteilen. Seiner Ansicht nach darf hier nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Nicht nur Antisemitismus, auch Islamophobie sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Das FBI habe Ermittlungen aufgenommen, teilte Obama am Freitag mit. Den Angehörigen der Opfer drückte er sein Mitgefühl aus. Niemand dürfe in den USA wegen seines Glaubens verfolgt werden.

«Ein Terrorist, ein Mörder» habe das Ehepaar und die Schwester der Frau im US-Bundesstaat North Carolina getötet, sagte Erdoğan am Donnerstag bei einem Besuch in Mexiko-Stadt nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. «Herr Obama, warum schweigen Sie?» Erdoğan fügte hinzu: «Wenn Antisemitismus ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, warum ist dann Islamophobie kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Leider setzt sich da die Logik von „Mein Terrorist ist gut, Dein Terrorist ist schlecht“ fort.»

Die Tötung von drei muslimischen Studenten in der Stadt Chapel Hill (US-Bundesstaat North Carolina) hat Unruhe in der islamischen Gemeinschaft in den USA ausgelöst. Im Sekundentakt strömten über die Sozialen Medien Beiträge mit den Hashtags #ChapelHillShooting und #MuslimLivesMatter herein. Die User spekulierten, ob es sich möglicherweise um ein Hassverbrechen gehandelt haben könnte. Sie fragten sich, ob die drei jungen Leute tatsächlich wegen ihrer Religion sterben mussten. Andere verglichen die Tat mit den Ereignissen in Frankreich und der Attacke auf das Satiremagazin Charlie Hebdo (mehr hier).

Der mutmaßliche Täter wurde wegen dreifachen Mordes angeklagt, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. Der 46-Jährige soll das Trio am Dienstag in einem Mehrparteienhaus mit Kopfschüssen getötet haben. Er habe sich nach der Tat ohne Widerstand gestellt und sei in Haft.

Bei den Opfern handelte es sich um einen 23-Jährigen und seine 21 Jahre alte Frau sowie deren 19 Jahre alte Schwester. Die Polizei geht nach eigenen Angaben bislang davon aus, dass ein Nachbarschaftsstreit um einen Parkplatz der Auslöser für die Tat war. Hinweise auf ein anderes Motiv gebe es nicht.

Der Rat für amerikanisch-muslimische Beziehungen (CAIR) rief die Polizei auf, den Spekulationen über einen anti-islamischen Hintergrund nachzugehen. Die Brutalität der Tat und die Tatsache, dass die Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch getragen hätten, mache Ermittlungen in diese Richtung notwendig. Der Täter sei zudem zuvor wegen anti-religiöser Äußerungen aufgefallen.

Der Polizeichef Chris Blue reagierte in einer Mitteilung auf die Forderungen, das Tatgeschehen daraufhin zu untersuchen. «Wir verstehen die Besorgnis über die Möglichkeit, dass es durch Hass motiviert wurde und wir werden jedem Hinweis erschöpfend nachgehen, um festzustellen, ob das der Grund war.» Er bezeichnete die Tat als «sinnlos» und «tragisch». Eine Gerichtsanhörung sei für den 3. März angesetzt, berichteten Medien.

Der Vater der beiden Studentinnen spricht laut der Zeitung «News & Observer» von einem Hassverbrechen. «Dies war kein Streit über einen Parkplatz. Der Mann hat meine Tochter und ihren Mann schon zuvor ein paar Mal drangsaliert.» Es habe sich um eine Exekution gehandelt. «Eine Kugel in jedem Kopf», sagte der Mediziner, der in North Carolina eine psychiatrische Praxis betreibt. Seine Tochter habe sich noch ein Woche zuvor über ihren «hasserfüllten Nachbarn» beklagt.

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