Verhaltensregeln in der Bütt: Fastnacht und Religion schließen sich nicht aus

Sind Witze über Religionen überhaupt noch erlaubt? Experten aus Kirche und der Welt der Narren sagen: Auf jeden Fall! Doch es sollten gewisse Regeln eingehalten werden.

Ein Witz über den Papst? Warum nicht! Eine Bütt über den ungeheuerlichen, gewalttätigen Fanatismus in der Welt? Na klar! Witze über die Toten des Anschlags von Paris? Auf keinen Fall! Das meinen Experten der Faschingsszene und der Kirche. Religion und Humor müssten sich nicht ausschließen. «Warum sollte man nicht auch in einer Büttenrede Themen der Religion mit ansprechen?», fragt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Es gelte jedoch, Gefühle von Menschen, die religiös und gläubig sind, nicht zu verletzen.

Das sieht auch der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, so. «Humor heißt ja, zu sich selbst auf Distanz gehen und auch mal über sich zu lachen und sich nicht so ernst zu nehmen.» Deshalb seien Satire und Kritik auch über Religionen in Ordnung. «Ich wünsche mir, dass wir eine Art von Satire oder auch Humor haben, die andere Menschen nicht mies herabsetzt oder sie verletzt. Kritik muss immer sein, auch bissige, scharfe Kritik. Aber nicht, andere Menschen herabzusetzen.»

Bedford-Strohm ist seit Jahren einer der prominenten Gäste der bayerischen Fernseh-Prunksitzung «Fastnacht in Franken», die von fast vier Millionen Menschen geschaut wird. Dort beweist er immer wieder, dass er gern lacht – auch über Witze, die die Kirche betreffen.

Der Schweinfurter Büttenredner Peter Kuhn gehört dabei zum Scharfzüngigsten was die fränkische Fastnacht zu bieten hat, so die dpa. In seiner diesjährigen Bütt wetterte er intelligent über den Fanatismus in dieser Welt. Auch für ihn gibt es jedoch klare Grenzen: Über persönliche Glaubensvorstellungen würde er nicht lästern, weil das etwas sehr Persönliches, Eigenes sei.

Scharfe Kritik an den Taten der Fanatiker ja, Witze über die Taten nein, sagt dazu der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, Volker Wagner. Über die Gräueltaten der Fanatiker dürfe auch nicht im Namen der Meinungsfreiheit gewitzelt werden. «Der Anschlag von Paris darf kein Thema sein, denn man kann sich nicht über etwas lustig machen, wo es zehn Tote gegeben hat. Über Tote macht man keine Witze. Das Thema muss stattdessen heißen: die Freiheit der Meinungsäußerung. Darüber muss man sprechen.»

In Köln hatte das Festkomitee einen Karnevalswagen zurückgezogen, der nach dem Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» in Paris geplant worden war. Das Motiv zeigte einen Mann, der mit einem Bleistift die Waffe eines Terroristen verstopft. Viele Karnevalfans hätten sich nach Gerüchten über angebliche Risiken gemeldet und gesagt, sie trauten sich nicht zum Rosenmontagszug, erläuterte Zugleiter Christoph Kuckelkorn. Und spätestens an diesem Punkt müsse ein Karnevalist sagen, man wolle in erster Linie Fastnacht feiern.

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