Mord an türkischer Studentin: Erdoğan will Prozess gegen Täter persönlich verfolgen

Nach dem Mord an einer Studentin in der Türkei hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan die Tat scharf verurteilt. Den Prozess gegen den Täter wolle er persönlich verfolgen. Ein wachsames Auge hat Erdoğan aber auch auf die Proteste im Zuge des grausamen Verbrechens. Einverstanden ist er nicht mit allen Ausdrucksformen des Unmuts.

Wer auch immer Gewalt gegen Frauen anwende, sei feige und bedauernswert, sagte Erdoğan am Montag vor Unternehmern in der Hauptstadt Ankara. Er bezeichnete den Mord weiter als bestialisch und kündigte an, den Prozess gegen die mutmaßlichen Täter persönlich zu verfolgen.

Nach Ansicht des Präsidenten müssten die drei Täter mit der höchstmöglichen Strafe bedacht werden. Schon jetzt beobachte er das Ganze mit Argusaugen. Gemeinsam mit seiner Frau Emine sprach er den Hinterbliebenen bereits am 15. Februar telefonisch sein Beileid aus. Die Töchter Sümeyye und Elif reisten nach Mersin, um den Angehörigen dort persönlich beizustehen.

In seiner Rede am Montag richtete sich Erdoğan auch an alle Entscheidungsträger. „Dies könnte auch unseren Töchtern passieren. Ich wünsche mir, dass der Fall Özgecan eine neue Sensibilität und damit einen Neuanfang bewirkt.“ Ebenso kritisch betracchte er Politiker, die aus den aktuellen Ereignissen politisches Kapital schlagen wollten.

Am Freitag hatte die Polizei die Leiche einer 20-Jährigen in der südtürkischen Provinz Mersin gefunden. Ein Minibusfahrer, der die junge Frau nach Hause bringen sollte, gestand, diese ermordet zu haben, so die dpa. Der 26-Jährige sagte nach Angaben türkischer Medien aus, er habe versucht die Studentin zu vergewaltigen, nachdem alle Fahrgäste ausgestiegen seien. Als sie sich wehrte, habe er sie getötet. Sein Vater und ein Freund hätten ihm anschließend geholfen, die Leiche zu verbrennen. Gegen die Männer wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA Haftbefehl erlassen.

Der Fall löste Proteste in der Türkei aus (mehr hier). Frauenorganisationen kritisieren, sexistische Bemerkungen von Erdoğan und der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP begünstigten ein frauenfeindliches Klima. Erdoğan hatte zuvor immer wieder umstrittene Bemerkungen zur Rolle der Frau gemacht. Und auch im Zuge der Proteste machte der Präsident deutlich, welchen Standpunkt er vertritt. Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, habe Erdoğan eine Frauenorganisation scharf dafür kritisiert, dass sie als Protest gegen den Mord an der jungen Frau einen Tanz aufgeführt hätten. Das sei nicht Teil der türkischen Kultur.

Die teilnehmende CHP-Abgeordnete Aylin Nazlıaka wies unterdessen den Vorwurf zurück. Die Aktion sei Teil des One Billion Rising-Events gewesen und keine Veranstaltung in Erinnerung an Özgecan. Dem Präsidenten warf sie überdies Ignoranz vor. „Erdoğan ist die Tatsache geschuldet, dass sich gewalttätige Zwischenfälle gegen Frauen in der Türkei in den vergangenen zwölf Jahrem um 1400 Prozent erhöht haben.
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