Dänemark nach dem Terror: Muslime fürchten verschärfte Stimmung im Land

Die Terroranschläge vom vergangenen Wochenende verändern Dänemark. Während die Regierungschefin ihr Volk beschwört, zusammenzustehen, fürchten andere eine breitere Kluft in der Bevölkerung. Rechtspopulisten könnten Auftrieb bekommen.

Aus Sicherheitskreisen heißt es, nach Anschlägen wie in Paris und nun in Kopenhagen gingen eine Vielzahl an möglichen Terrorhinweisen ein. (Screenshot YouTube)

Aus Sicherheitskreisen heißt es, nach Anschlägen wie in Paris und nun in Kopenhagen gingen eine Vielzahl an möglichen Terrorhinweisen ein. (Screenshot YouTube)

Alles ist wie vorher – nach außen. Und doch ist alles anders in Dänemark, weil zum ersten Mal seit 30 Jahren Menschen zu Terror-Opfern geworden sind. Nach den Anschlägen von Kopenhagen schwanken die Dänen zwischen der Hoffnung, enger zusammenzuwachsen und der Angst, weiter auseinanderzudriften. «Wir stehen Schulter an Schulter. Muslime, Juden und Christen», sagt Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt bei der Gedenkfeier für die Opfer. «Wir stehen als Dänen zusammen.» Doch daran zweifeln in dem Land, in dem Kritik an Einwanderung und Islam lauter zu hören ist als anderswo, viele.

«Ich glaube, wir werden uns weiter voneinander entfernen», sagt die 26-jährige Zelal Kara. Ihre Familie habe Angst, dass die Vorurteile gegen Muslime wegen der Tat des Terroristen zunehmen werden. «Dänemark ist mein Land», sagt die 34-jährige Maryam Hussain – und fürchtet trotzdem, künftig anders behandelt zu werden. Mit einwanderungskritischen Parolen haben die Rechtspopulisten in Dänemark in den vergangenen Jahren immer mehr Aufwind bekommen. In Meinungsumfragen lagen sie zuletzt bei rund 20 Prozent.

Für Ministerpräsidentin Thorning-Schmidt sind die Anschläge deshalb bei aller Traurigkeit auch eine Chance, sich zu einem kritischen Zeitpunkt als Landesmutter zu beweisen, so die dpa. Denn spätestens im September wählt Dänemark ein neues Parlament. Und bislang sieht es nicht danach aus, als könnte die Sozialdemokratin weiterregieren. Beobachter mutmaßen nun, dass Thorning-Schmidt die Gelegenheit nutzen und bald Wahlen ausrufen könnte. «Um ehrlich zu sein, bin ich nicht in Wahlkampflaune», hatte sie nach den Anschlägen gesagt.

Politik-Experte David Trads ist sich sicher, dass sie ihre Strategie bald ändern wird: «Natürlich denkt Thorning nach dem Terror an Wahlen», sagt er der Nachrichtenagentur Ritzau. Kletterten ihre Umfragewerte, könnte sie die Dänen in ein paar Wochen an die Wahlurnen bitten. «Historisch gesehen wissen wir, dass der Regierungschef in Situationen, in denen große Tragödien geschehen, die die Nation einen können, in den Fokus rückt.»

Allerdings hat das in der Vergangenheit nicht jedem genützt: Trotz seiner enormen Beliebtheit und dem starken Auftreten als Landesvater wurde Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg etwa zwei Jahre nach den Breivik-Attentaten mit 77 Toten abgewählt.

«Der Terror kann drastische Auswirkungen auf das Wählerverhalten haben», meint der politische Kommentator Erik Holstein. «Es ist noch unklar, ob Thorning für ihr stilsicheres Auftreten in der Reaktion auf den islamistischen Terror belohnt wird, oder ob er der Dänischen Volkspartei zu einem Quantensprung verhelfen wird.»

Nachdem diese die Füße kurz nach den Anschlägen noch sehr still gehalten hatte, wettert die rechtspopulistische Politikerin Aia Fog wenige Tage danach auf ihrer Facebook-Seite: «Wäre die Regierung nicht dagegen, kriminelle Ausländer auszuweisen, wie die DF es will, wäre der Terrorist nach seiner letzten Verurteilung (…) ausgewiesen worden.» Die regierenden Sozialdemokraten und die Radikale Linke trügen deshalb eine Mitschuld an dem Terrorangriff.

Parteichef Kristian Thulesen Dahl wahrt dagegen Zurückhaltung: Verantwortlich für die Anschläge sei allein der Attentäter. Doch auch Dahl dürfte sich bewusst sein, dass der Terror die politische Landschaft in Dänemark in den kommenden Monaten verändern könnten. In welche Richtung bleibt abzuwarten.

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