Erinnerung an Özgecan: Mann im Rock könnte nächsten Protest-Trend in der Türkei auslösen

Ein Mann im Rock will offenbar in die Fußstapfen des türkischen Performance-Künstlers Erdem Gündüz treten. Letzterer hatte 2013 mit seinem stillen Protest auf dem Istanbuler Taksim Platz eine wahre Welle im ganzen Land ausgelöst. Erkan Doğan will das in Erinnerung an die getötete Studentin Özgecan Aslan ebenfalls erreichen.

Erkan Doğan tauschte am 16. Februar auf dem Altıyol Platz im Istanbuler Stadtteil Kadıköy Hose gegen Rock ein. Nun fordert er die Menschen in den Sozialen Netzwerken auf, es ihm am kommenden Wochenende gleich zu tun.

Seinen ungewöhnlichen Protest untermauerte Doğan mit einem Plakat. Darauf stand zu lesen: „Belästigung und Vergewaltigung müssen ein Ende haben. Wir alle sind Özgecan“. Warum der junge Mann in dieser Form auf die Straße ging, erläuterte er anschließen gegenüber den türkischen Medien. „Ich trug einen Rock, um zu betonen, dass der Mord nichts mit einem Rock zu tun hat“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Selbst einige Prominente hätten versucht, diese „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ mit der Kleidung von Frauen zu rechtfertigen. „Wir sollten gegen jede Art von Gewalt sein und wir sollten unsere Kinder als Menschen mit Respekt vor dem anderen Geschlecht erziehen.“

Nach Doğans Protest am Montag wurde ein „Marsch der Röcke tragenden Männer für den 21. Februar anberaumt. Die Route soll vom Taksim Platz bis zum Stadtteil Tünel führen. Auf Facebook ist das Event bereits angelegt. Zusätzlich beworbe wird das Ganze über den Twitter-Hashtag # eteğinigiytaksimegel.

Bereits im Juni 2013 zog ein einzelner still stehender Mann die Aufmerksamkeit der Massen auf sich. Die Aktion des türkischen Performance-Künstlers Erdem Gündüz war binnen kürzester Zeit in aller Munde und wurde schließlich weltweit als der „stehende Mann“ (duran adam) bekannt (mehr hier).

Ohne sich zu regen, verharrte er an jenem Platz, der seit Wochen Schauplatz heftigster Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten war. Sein Blick ging stur gerade aus in Richtung der Flagge mit Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk, die am Atatürk Kulturzentrum (AKM) angebracht ist. Die Aktion des Performance-Künstlers verbreitete sich rasend schnell über Twitter. Dank des Hashtags #duranadam bzw. #standingman war es sogar kurzzeitig gelungen, die weltweiten Twitter-Trends anzuführen.

Doch auch abseits der Sozialen Medien pflanzte sich der besondere Protest fort. Nicht nur auf dem Taksim Platz, sondern Menschen in der gesamten Türkei und auch im Ausland hätten Gündüz’ Aktion nachgeahmt und in unzähligen Fotos dokumentiert.

Mehr zum Thema:

Frauenrechtsorganisation: Türkische Politik mischt sich in unser Leben ein, tut aber zu wenig
Protest im Bikini: „Standing Man“ bekommt Gesellschaft von gebürtiger Deutschen
Still auf dem Taksim Platz: Künstler inspiriert zu neuer Form des Protests

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.