Harry Potter-Star Emma Watson: Unterstützung für türkische Männer in Röcken

Die türkischen Demonstranten in Röcken haben am Wochenende prominente Unterstützung erhalten. Hollywood-Star Emma Watson zeigte sich über Twitter solidarisch mit der Aktion, die sich nach dem Tod der Studentin Özgecan Aslan nun gegen die Gewalt gegen Frauen in der Türkei richtete. Die hiesigen Frauenrechte sorgen die Schauspielerin nicht zum ersten Mal.

Die UN-Sonderbotschafterin für Frauen zeigte sich via Twitter sehr erfreut über die Aktion, die am vergangenen Samstag zahlreiche Männer und sogar ganze Familien auf die Istanbuler Straßen lockte. Zuletzt hatte sie sich im vergangenen Sommer zu einem türkischen Frauenrechtsthema geäußert. Damals ging es um das Thema lachen in der Öffentlichkeit.

Am Sonntag ließ Emma Watson, die erst im September vergangenen Jahres eine UN-Kampagne für mehr Gleichberechtigung startete (mehr hier), ihre Follower wissen:

Bereits im Juni 2014 hat sich die britische Schauspielerin einer Social Media Kampagne für Frauenrechte angeschlossen. Kurz nach ihrer Ernennung zur UN-Sonderbotschafterin solidarisierte sie sich mit allen lachenden türkischen Frauen und stellte sich damit gegen Äußerungen des damaligen türkische Vize-Regierungschefs Bulent Arinc. Der hatte am 28. Juli über die moralische Verkommenheit in der Türkei gesprochen. Zu dieser würden seiner Ansicht nach auch in der Öffentlichkeit lachende Frauen beitragen würden (mehr hier).

Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, zog es am vergangenen Samstag zahlreiche Männer in Miniröcken auf die Straßen Istanbuls. Begleitet wurden sie bei ihrer Aktion von anderen Männern, Frauen und Kindern.

Losgetreten wurde die Aktion von einem einzigen Mann: Erkan Doğan tauschte am 16. Februar auf dem Altıyol Platz im Istanbuler Stadtteil Kadıköy Hose gegen Rock ein. Seinen ungewöhnlichen Protest untermauerte Doğan mit einem Plakat. Darauf stand zu lesen: „Belästigung und Vergewaltigung müssen ein Ende haben. Wir alle sind Özgecan“. Warum der junge Mann in dieser Form auf die Straße ging, erläuterte er anschließen gegenüber den türkischen Medien. „Ich trug einen Rock, um zu betonen, dass der Mord nichts mit einem Rock zu tun hat“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Selbst einige Prominente hätten versucht, diese „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ mit der Kleidung von Frauen zu rechtfertigen. „Wir sollten gegen jede Art von Gewalt sein und wir sollten unsere Kinder als Menschen mit Respekt vor dem anderen Geschlecht erziehen.“ (merh hier).

Für ihren Protest haben die Menschen allen Grund. Denn wie der Tagesspiegel berichtet, überschlugen sich die Ereignisse in den vergangenen Tagen:

„Einige Tage nach dem Tod Aslans, tötete in Antalya ein junger Mann seine Freundin, als diese sich nach einem Streit weigerte mit ihm nach Hause zu kommen, indem er sie mehrfach mit seinem Wagen überfuhr. Im Istanbuler Stadtteil Cengelköy wurden letzte Woche in einem Müllcontainer die Teile einer Frauenleiche gefunden, sie war von ihrem Mann umgebracht und zerstückelt worden. Auch am Sonntag berichteten türkische Zeitungen von dem Fund einer verbrannten Frauenleiche in einem Olivenhain in der Provinz Manisa.

Das Problem liegt jedoch tiefer. Problematisch sei vor allem der Umgang mit den Fällen: Oft gebe es Haftbegünstigungen aufgrund von „Provokationen“ durch die Frauen, wenn die Ehre des Täters verletzt würde, wenn die Frau einen Rock trüge oder vergessen habe, ihr Facebookprofil auf „verheiratet“ umzustellenm heißt es weiter. „Dies ist alles nichts Neues in der Türkei, jedoch haben einige Menschen das Gefühl, dass sich die Lage der Frauen in der Amtszeit der regierenden AKP eher verschlechtert, denn verbessert hat.“

Neu ist diese Form des Protests übrigens nicht. Im September 2013 gingen im türkischen Antalya Schüler auf die Straße, um für ihre persönlichen Freiheiten einzustehen. Weil den Mädchen einer Bildungseinrichtung das Tragen von Röcken untersagt wurde, zogen sich einige jungen Männer diese kurzerhand selbst über (mehr hier).

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