Verstärkte Nachfrage: Japans Geschäftsleute setzen jetzt auf Halal-Produkte

Japanische Restaurants und Einzelhändler reagieren derzeit auf eine wachsende Zahl von Besuchern islamischen Glaubens. Um ihren neuen Kunden gerecht zu werden, setzen sie nun auf Halal-Produkte. Auch darüber hinaus versuchen sich die Geschäftsleute auf die neuen Bedürfnisse einzustellen, indem zum Beispiel auch Gebetsräume angeboten werden.

Japan erfreut sich im Augenblick eines zunehmenden Stroms an muslimischen Touristen. Die neuen Kunden aus Ländern wie Indonesien und Malaysia nutzen die Vorteile des schwachen Yen und der vereinfachten Visa-Anforderungen, um das Land zu erkunden. Allein aus den beiden genannten überwiegend muslimischen Staaten kamen im vergangenen Jahr rund 400.000 Besucher auf die Insel. Und die stellt sich zunehmend auf den neuen Strom ein.

Ein Beispiel für die Neuausrichtung unter japanischen Geschäftsleuten ist Koshidaka Co., Betreiber des Manekineko Karaoke Box Kette. Im vergangenen Dezember eröffnete man seinen ersten Muslim freundlichen Laden in der Nähe des neu geplanten Zaha Hadids Nationalstadions im Zentrum von Tokio. Der Grund liegt auf der Hand: 2020 sollen hier die Olympischen Spiele sowie die Paralympics stattfiden. Das Unternehmen rechnet daher fest mit vielen muslimischen Besuchern während und auch nach der Spiele.

Die Filiale verwendet für seine Gerichte Halal-Zutaten und serviert Huhn statt Schweinefleisch in seinen Menüs. Angeboten wird auch ein Gebetsraum, berichtet The Asahi Shimbum. Dabei soll es aber offenbar nicht bleiben. So heiße es von offzieller Seite, dass das Unternehmen die Zahl der Muslim freundliche Karaoke-Läden in Japan in Zukunft weiter aufgestockt werden solle. Dadurch erhoffe man sich auch weiteres Know-how anzueigen, um künftig auch direkt in muslimischen Ländern erfolgreich agieren zu können.

Dem Japan Islamic Trust zufolge sei die Zahl der Unternehmen, die ihre Produkte als halal registrieren möchten, von etwa fünf pro Jahr Anfang der 2000er auf bis zu 30 in den vergangenen Jahren gewachsen. Erst im vergangenen Mai wurde die Kakehashi Company für Lebensmittel und Landwirtschaft gegründet. Das Venture-Unternehmen hat seinen Sitz in Uruma, in der Präfektur Okinawa, und stellt Fertiggerichte mit Halal-Zutaten her. Auch hier lautet der Plan zuerst die einheimischen Hotels zu gewinnen und dann im Ausland nach potenten Kunden Ausschau zu halten.

Auch Kewpie Corp. plane dem Blatt zufolge eine Ausweitung der Produktpalette. Demnach wolle der für seine Mayonnaise-Produkte bekannte Hersteller eine Halal-Variante seiner Erzeugnisse einführen, die er in seiner Fabrik in Malaysia herstellen und ab diesem Frühjahr nach Japan importieren wolle. In Malaysia seien bereits Maßnahme ergriffen worden, um sicherzustellen, dass weder Schweinefleisch noch und andere verbotene Zutaten in das Produkt gelangen könnten, heißt es aus der Firmenzentrale in Tokio.

Dass japanische Geschäftsleute bislang kaum Veranlassung zum Handeln sahen, liegt auf der Hand. Bis heute ist die Anzahl der Muslime im Land gering. Begrenzt ist sie auf wenige einheimische Konvertiten und ansässige Ausländer, zumeist aus Bangladesh und dem Iran. Das Portal Muslimvillage schätzt die Zahl der praktizierenden Muslime in Japan auf gerade einmal 100.000.

Ergänzt würden die Bemühungen um die neuen, muslimischen Touristen auch um entsprechende Seminare für einheimische Hoteliers und Broschüren für den richtigen Umgang. Um ein längerfristiges Bleiben bemühten sich zudem einige japanische Universitäten, die nun halal-Menüs in ihre Speisepläne aufgenommen hätten, so das Portal weiter.

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