Schulmädchen auf dem Weg in den Dschihad: Türkei wirft Großbritannien zu langes Zögern vor

Drei britische Schulmädchen reisten vergangene Woche in die Türkei, um sich von dort aus vermutlich Terror-Kämpfern in Syrien anzuschließen. Nun erhebt die türkische Regierung schwere Vorwürfe. Die britischen Behörden sollen zu lange gewartet haben, bis man die Türkei informiert habe.

Der stellvertretende türkische Premier Bülent Arınç hofft sehr, dass die drei jungen Britinnen gefunden werden. Falls dem aber nicht so sei, wäre Großbritannien und eben nicht die Türkei dafür verantwortlich. London will den damit erhobenen Vorwurf allerdings nicht so stehen lassen. Dort ist man der Ansicht, völlig korrekt gehandelt zu haben.

Es ist ein verwerfliches Handeln von Großbritannien, die drei Mädchen, die schon zuvor auffällig waren, von Heathrow aus nach Istanbul reisen zu lassen und es uns dann erst drei Tage später wissen zu lassen. Sie haben nicht die notwendigen Maßnahmen getroffen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Arınç.

Die drei Londoner Schülerinnen sollen am 17. Februar in Istanbul gelandet sein. Die britischen Behörden seien in Sorge, dass sich das Trio von dort aus nach Syrien begeben und sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anschließen könnten, so das Blatt weiter. Dem Minister zufolge sei Ankara jedoch erst am 20. Februar über den Vorgang informiert worden.

Nach Angaben von Arınç unternehme die türkische Regierung derzeit alles, um die Mädchen aufzuspüren. Die Türkei habe sich in dieser Sache jedenfalls nichts zu Schulden kommen lassen. Allerdings seien die Möglichkeiten die Spuren dieser Drei, die als Touristen ins Land kamen, zu verfolgen begrenzt. „Derzeit läuft die Suche weiter. Es wäre großartig, wenn wir sie finden. Gelingt uns das nicht, wäre das jedoch nicht unsere Verantwortung, sondern die Großbritanniens.“

Bislang haben bereits tausende Ausländer die Möglichkeit genutzt, sich dem IS in Syrien oder im Irak anzuschließen. Der türkischen Zeitung zufolge stammten die Personen aus mehr als 80 Staaten und die meisten von ihnen seien über die Türkei eingereist. Um dieser Situation Herr zu werden, hat Ankara schon in der Vergangenheit einen besseren und schnelleren Informationaustausch mit westlichen Geheimdiensten gefordert. Erst im vergangenen September wurde eine intnsivere Zusammenarbeit mit Großbritannien vereinbart (mehr hier).

Bislang lief der gemeinsame Terrorkampf zwischen den europäischen Ländern und der Türkei eher schleppend. Zwischen Deutschland und der Türkei gilt das europäische Auslieferungsübereinkommen aus dem Jahre 1957 bereits seit 1959. Ebenso besteht zwischen der Türkei und Europa seit 1980 das Europäische Übereinkommen zur Bekämpfung des Terrorismus. Neben diesen internationalen Vereinbarungen hat die Türkei auch das Übereinkommen über die Überstellung verurteilter Personen ratifiziert. Bisher sei dies jedoch nicht einmal zur Anwendung gekommen. Bei den meisten Gefängnissinsassen, die an die Türkei überstellt worden wären, sei dies auf eigenen Wunsch geschehen, so die die türkische Zeitung Sabah. Bei der Auslieferung von Angehörigen der Terrororganisation PKK, war es oft zu Differenzen gekommen (mehr hier). In sieben Jahren sind nur fünf Terroristen ausgeliefert worden (mehr hier).

Zunächst einmal sollte verhindert werden, dass sie überhaupt ins Ausland reisen können. Falls man sie nicht aufhalten kann, sollte sie uns informieren, sie dann festhalten, abschieben oder Menschen mit diesen Passnummern verfolgen“, so der Politiker weiter. Die Türkei jedenfalls könnte nicht für alles verantwortlich gemacht werden. Schon dann nicht, wenn die Leute als Touristen und ohne jegliche Hinweise ins Land kämen. Spezielle Befragungsmechanismen über die Intention ihrer Reise oder ähnliches gebe es in der Türkei nicht.

Shamima B., 15, Kadiza S., 16, und Amira A., 15 wurden zuletzt am 17. Februar zuhause im Osten Londons gesehen. Sie verließen diese und erklärten ihre Familien den Tag über unterwegs zu sein. Dann soll es gemeinsam nach Gatwick gegangen sein. Hier hätten sie eine Turkish Airlines-Maschine nach Istanbul bestiegen. Ihre Familien hatten keine Ahnung:

Premierminister David Cameron erklärte am 23. Februar, dass es ein wahrhafter Horror wäre, wenn diese Mädchen tatsächlich über das Internet radikalisiert worden wären. „Es scheint, als hätten sie sich einer Terrorgruppe angeschlossen, die abscheulichste Gewalttaten begeht, die glaubt, Mädchen sollten bereits mit neun Jahren verheiratet werden und dass Frauen nicht das Haus verlassen dürfen.

Derzeit wird vermutet, dass rund 500 britische Staatsangehörige nach Syrien oder in den Irak gereist sind, um sich dem IS anzuschließen. S. und B. sind britische Staatsangehörige, während A. ist deutscher Staatsbürgerin. Alle drei waren mit einer Schulkameradin on der Bethnal Green Academy befreundet, die bereits im Dezember nach Syrien gereist war. Insgesamt sollen sich rund 550 Frauen aus dem Westen Terrormilizen angeschlossen haben.

Scotland Yard hat am Dienstag die Vorwürfe des stellvertretenden türkischen Premier zurückgewiesen, berichtet der Guardian. Demnach sei der ausländische Verbindungsbeamte an der türkischen Botschaft in London am 18. Februar kontaktiert worden, nachdem festgestellt wurde, dass die Mädchen vermisst wurden. „Seitdem arbeiten wir eng mit den türkischen Behörde zusammen, die uns große Hilfe und Unterstützung für unsere Untersuchung zukommen lassen“, zitiert das Blatt einen Sprecher. Mittlerweile sollen dem Guardian zufolge britische Polizeibeamte in die Türkei geflogen sein. Aber ihre Rolle bei der Untersuchung konnte nicht bestätigt werden.

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