Basketball mit Kopftuch: Spielerin kämpft um Änderung der internationalen Regeln

Vor einem Jahr entschied sich eine muslimische Basketballerin für das Tragen eines Kopftuches. Doch die Sportlerin mit bosnisch-amerikanischen Wurzeln erkannte schnell: So ist ein professionelles Spiel in Europa nicht möglich. Der Basketball Dachverband untersagt jegliche Kopfbedeckungen bei offiziellen Spielen. Seither kämpft sie für ihr Recht auf ein Kopftuch und für den Sport - auch auf internationaler Ebene.

Indira Kaljo fällte die Entscheidung für ein Kopftuch nach einer Charity-Reise auf das Erdbeben gebeutelte Haiti. Mit weitreichenden Folgen für ihren Sport. Denn: Basketball mit Hijab, Turban oder Kippa waren zu jener Zeit gemäß europäischen Reglement während offizieler Begegnungen nicht gestattet. Kleine Erfolge kann die junge Frau mittlerweile verzeichen. Auf internationalem Parkett bleibt jedoch noch einiges zu tun.

Es machte keinen Sinn“, zitiert die türkische Zeitung Sabah Kaljo. Die Sportlerin war überzeugt, diese Regelung diskriminiert gläubige Athleten. Und zwar nicht nur Muslime, sondern auch Sikhs und Juden. 2014 startete sie deshalb eine Online-Petition. Am Ende kamen hier rund 70.000 Unterschriften zusammen. Ihr Anliegen erreichte weltweite Aufmerksamkeit. Und trug offenbar auch dazu bei, dass der Basketball Weltverband (FIBA) seine Position in Bezug auf Kopftücher zumindest in Teilen überdachte.

Tatsächlich gab der FIBA am 16. September 2014 etwas nach. „In einer zwei-jährigen Testphase werden einigen Spielerinnen Kopfbedeckungen wie das muslimische Kopftuch erlaubt. Die Sondererlaubnis gilt jedoch nur auf nationaler Ebene und stellt keine generelle Abschaffung dar. Bei internationalen Wettbewerben bleiben Kopftücher weiterhin verboten“ berichtete islamiq.de.

Zwei Wochen nach der FIBA-​​Entscheidung dann der erste Skandal: Das Frauen-Basketball-Team aus Katar zog Konsequenzen und sagte seine Begegnungen gegen die Mongolei und Nepal bei den Asian Games 2015 aus Protest gegen das Kopftuchverbot bei internationalen Spielen ab.

Der FIBA zeigte sich irritiert. Dem Verband zufolge habe die Entscheidung weniger mit religiösen, als vielmehr mit sportlichen Belangen zu tun, berichtete spoxx.com. Immerhin seien alle Kopfbedeckungen, Haar-Accessoires und Schmuck verboten. Kaljo hält die Argumentation jedoch für fragwürdig. „Das stinkt!“, so die Basketballerin. „Das ist unsere Leidenschaft, unser Traum. Dafür haben wir gearbeitet, seit wir Kinder waren.“ Die vorgeschobenen Sicherheitsbedenken des FIBA kann sie nicht teilen. Auch mit Kopftuch fühle sie sich beim Spielen wohl und agiere genauso wie ohne. Teils sei der Sport für sie jetzt sogar noch angenehmer. So sei etwa ihr neuer Sportanzug aus einem besoders Schweiß bindenden Material. Ein Vorteil nicht nur für sie, sondern auch beim Zusammenprallen mit Mitspielerinnen.

Dass Frauen nach der Entscheidung für ein Kopftuch ihren Sport aufgäben, mache sie richtig traurig, so Kaljo. Die passionierte Basketballerin ist überzeugt, dass mehr muslimische Frauen Basketball auf internationalem Parkett spielen würden, wenn der FIBA seine im September 2014 getroffene Entscheidung international ausweiten würde.

Kaljo spielt derzeit im 2006 gegründeten saudischen Damen-Team. Die Mannschaft nimmt an lokalen und internationalen Wettbewerben teil, da es im Land selbst keine offizielle nationale Liga gibt. „Ich bin der Meinung, dass sich muslimische Frauen in ihrer Haut wohl fühlen sollten. Ganz gleich, ob sie ein Kopftuch tragen oder nicht. Sich bedecken oder eben nicht“, so Kaljo.

FIBA zufolge werde das Kopftuch ab Sommer 2015 erstmals auch international getestet werden. Der Verband ist in Zugzwang. Immerhin haben andere Sportarten wie etwa der Fußball bereits reagiert und das Tragen von Kopftüchern erlaubt. Der Fußball-Weltverband FIFA hat seine Regeln erst 2014 geändert.

Kaljo ist übrigens nicht die erste Frau, die medienwirksam für eine Lockerung der Regeln eintritt. 2010 gab es bereits einen Fall in der Schweiz, der allerdings zu Ungunsten der Basketballerin ausging. Die Märkische Onlinezeitung berichtete damals: Die muslimische Basketballerin Sura Al-Shawk vom Schweizer Club STV Luzern darf während der Spiele kein Kopftuch tragen. Die Schweizerin irakischer Abstammung scheiterte mit einer Klage vor einem Gericht im Kanton Luzern.“ Nach Ansicht der Richter habe das Verbot des Ligaverbandes ProBasket die Rechte der 19-Jährigen nicht beeinträchtigt. Die Liga-Verantwortlichen hätten sich bei ihrer Ablehnung auf den Weltverband FIBA berufen. Das Tragen eines Kopftuches erhöhe demnach das Verletzungsrisiko, zudem solle der Sport religiös neutral bleiben.

Mehr zum Thema:

Konflikte mit Glauben und Kultur: Migranten sind in deutschen Sportvereinen deutlich unterrepräsentiert
Grünes Licht: FIFA erlaubt Kopftuch auf dem Fußballplatz
Viel TV, wenig Sport: So ticken die türkischen Bürger

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.