Auszeichnung für Hate Poetry: „Intelligente wie kreative Form des Widerstands gegen Rassismus“

Sie werden von Rassisten beschimpft und stellen diese wiederum mit viel Humor an den Pranger. Die Journalisten mit ausländischen Wurzeln begeistern mit ihrer so genannten Hate Poetry seit einigen Jahren die Republik. Jetzt wurden sie dafür mit dem „Sonderpreis Journalisten des Jahres 2014“ ausgezeichnet.

Die Publizistin Carolin Emcke bewundert in ihrer Ansprache vor allem die Entscheidung der Journalisten, diesen Hass nicht für sich zu behalten. (Screenshot YouTube)

Die Publizistin Carolin Emcke bewundert in ihrer Ansprache vor allem die Entscheidung der Journalisten, diesen Hass nicht für sich zu behalten. (Screenshot YouTube)

Am 23. Februar wurden im Deutschen Historischen Museum in Berlin die „Journalisten des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Der Sonderpreis des „medium magazin für Journalisten“ ging diesmal an eine besondere Journalistentruppe, die erst Mitte Februar ihren dritten Geburtstag beging. Mit ihrer Hate Poetry feiern sie derzeit große Erfolge. Der Stoff für ihr Programm, unzählige Hassmails, geht ihnen wahrscheinlich so schnell nicht aus.

Seit 2012 lautet das Motto: „Sie schreiben. Wir lesen.“ Doris Akrap, Mohammed Amjahid, Özlem Gezer, Hasnain Kazim, Mely Kiyak, Özlem Topçu, Yassin Musharbash, Ebru Taşdemir und Deniz Yücel tragen den per Brief oder Email in die Redaktionsstuben versandten Hass in die breite Öffentlichkeit. Tätig sind sie unter anderem für die ZEIT, den Spiegel, Spiegel Online, die taz, den Tagesspiegel und andere Medien. Und aushalten müssen sie viel:

„Es ist eine Show, in der wir in vier Kategorien mit Hilfe des Publikums ermitteln, welche Zuschrift die mieseste, niederträchtigste, rassistischste ist. Die Kollegin Ebru Tasdemir hat das Konzept erfunden, und Doris Akrap von der taz ist unsere Moderatorin“, so Yassin Musharbash in einem ZEIT-Blog-Beitrag. „Wir freuen uns sehr über den Preis. Aber vielleicht noch mehr hat uns die Lobrede von Carolin Emcke berührt“, so der Journalist weiter.

Emcke war am vergangenen Montag voll des Lobes die selbsternannte „antirassistische Leseshow“. Gleich zu Beginn ihrer Laudatio erklärte sie:

„Es ist diese diebische Freude, die man empfindet bei einem besonders guten Streich, wenn etwas gegen alle Erwartungen gelungen ist, wenn alle althergebrachten Konventionen, alle naheliegenden Reflexe, alle Schwerkraft der Macht einfach durchkreuzt und überschritten wurden: YES!“

Hate Poetry, das sei für sie eine so intelligente wie kreative Form des Widerstands gegen Ressentiment und Rassismus, des humorvollen Aufbegehrens gegen nicht nachlassenden Hass und Verachtung. Vor allem sei es aber auch eine Befreiung, die an die alte Tradition des Re-Signifizierens anknüpfe, die schon so viele Bürgerrechtsbewegungen ausgezeichnet habe.

Die Publizistin bewundert in ihrer Ansprache vor allem die Entscheidung der Journalisten, diesen Hass nicht für sich zu behalten, die persönliche Verletzung nicht hinzunehmen. Die Angriffe eben nicht zu schlucken und die Beleidigungen nicht zu verdrängen. Diese Isolation abzulehnen, sich miteinander zu verständigen, sich in immer wechselnden Kombinationen zu vereinen und dem Hass gemeinsam zu begegnen – das sei eine wunderbare Form der dissidenten Solidarität, die ihrer Ansicht nach allein schon auszeichnungswürdig wäre.

Mut und Kraft brauche es, um solche Kränkung wieder und wieder vorzulesen, solange bis sie sich geg en sich selbst und ihren Autoren wende, so Emcke weiter. „Aus diesem Hass, aus diesem Dreck keine Anklage, sondern ein Fest zu machen, eine Party, eine Performance (…) das ist wirklich ein Happening, ein Acting Out, eine politische Farce erster Güte.“

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